von
Claudia Cardinal
Als ich noch ein Kind war, brauchte nur das Wort „Bestattung“ zu fallen und ein gewisses Gruseln erfüllten mich. Ich habe mich nie gefragt, welche Menschen diesen Beruf ausüben. Dass es sich bei Bestattern um „ganz normale Menschen“ handeln muss, wurde mir erst sehr viel später klar.
Ich gehe davon aus, dass ich diese Berührungsängste meiner Kindheit mit vielen anderen Menschen teile. Erst jetzt ist mir klar, dass sich hinter dieser Furcht der große Kulturbegriff der „Unreinheit“ verbirgt. Bestatter gehen mit Leichen um. Und vor diesen machen wir – besonders in den westlich modernen Teilen der Welt - einen großen Bogen.
Damit aber wird klar, dass Bestatter eine Tätigkeit ausüben, die alle anderen Menschen gar nicht ausüben wollen. Sie übernehmen den unangenehmen Part diejenigen zu ver– und entsorgen, deren Leben beendet ist. Dass das Ende des Lebens ein ebenso natürlicher Einschnitt ist, wie die Geburt, sollten wir dabei bedenken.
Jeder Tod ist ein Mysterium, dessen Erleben ungeahnte Fragestellungen aufwerfen. Würden wir also die Versorgung unserer Toten selbst vornehmen, so hätte das persönliche und gesellschaftliche Auswirkungen: wir müssten uns mit den Leichen befassen, wie traditionelle Muslime es noch heute tun. Wir würden aus unserem gewohnten Trott herausgerissen werden und die Haut unserer Spaßgesellschaft bekäme gefährliche Risse. Seien wir also froh, dass es Menschen gibt, die freiwillig übernehmen, was uns selbst in die Flucht schlägt.
Da sich jeder Bestatter dabei in dem Grenzgebiet zwischen Leben und der schwer vorstellbaren Welt der Toten bewegt, macht die Arbeit nicht leichter. Hinzu kommt, dass jeder Kontakt mit frisch Trauernden ebenso großes Fingerspitzengefühl, wie Empathie, ethische Grundsätze und einen Verhaltenskodex benötigt. Ob sich an dem Fehlen dieser wichtigen Grundsatzbedingungen der so häufig schlechte Ruf von Bestattern ableiten lässt? Bestattung ist auch ein Geschäft, das gelegentlich fragwürdige Aspekte aufweist. Wer diesen Geschäftsbereich optimieren will, wird neue Wege dazu suchen müssen. Alle erfolgreichen Firmen nutzen dazu die Dienste von unabhängigen Consultants.
Was kann man tun, wenn sich bei allen Beteiligten jene Floskeln ausbreiten, die das Kennzeichen für Sprachlosigkeit sind? Möglicherweise bedarf es der Vermittlung zwischen Bestattern und den Trauernden, die sich mehr oder weniger in einem Schockzustand befinden. Eine Zusammenarbeit von Bestattungsinstituten und Sterbeammen/ Sterbegefährten und anderen Sterbe- und Trauerbegleitern bietet sich an. Diese Experten bewegen sich sicher und gewollt in dem Randgebiet des Lebens und sind frei von Berührungsängsten und unabhängig in ihren Interessen.
Siehe auch:
www.sterbeamme.dewww.sterbeheilkunde.deClaudia Cardinal
Heilpraktikerin, Autorin, Leiterin der Sterbeammenakademie
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