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Generation 2.0 : ersetzt Dr. Google den Hausarztbesuch?

von Martina Bliefernich
Das Internet ist eine nahezu unendliche Informationsquelle, die immer öfter auch für Fragen zu Gesundheitsthemen genutzt wird. „Dies hängt nicht zuletzt mit den spezifischen Charakteristika des Internets zusammen wie zeit- und ortsunabhängiger Zugriff, Interaktivität, Anonymität der Userinnen und User sowie Niederschwelligkeit und Kostengünstigkeit des Internets“ (Bonfadelli, 2011).

Während sich vor fünf Jahren 50% der Deutschen Internetnutzer im Internet über Krankheiten, Verletzungen oder eine gesunde Ernährung informiert haben, sind es heute schon 60%, wie eine Studie von BITKOM herausfand. Damit nutzen etwa 28 Millionen Bundesbürger das Internet als Gesundheitsratgeber (BITKOM, 2011).

Die verfügbaren Informationen reichen von Haushaltstipps gegen Erkältungen, über Beschreibungen von Krankheitsverläufen, Diagnostik, Symptomen und Therapien bis hinzu Foren, in denen Erfahrungen zu schweren Erkrankungen ausgetauscht werden können.

„Das Internet stellt noch vor dem Arzt die regelmäßigste sowie nutzenbringendste Quelle von Gesundheitsinformationen dar“ (Studie Gesundheit im Netz 2010).

Manchen Ärztinnen/Ärzten ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge, sie sprechen von „Cyberchondern“, die sich durch die Informationen im Netz noch kränker fühlen und mehr Symptome an sich selbst erkennen, als eigentlich vorhanden sind. Andere User hingegen nutzen das Netz einfach nur, um eine Zweitmeinung einzuholen oder Behandlungsalternativen zu recherchieren.

An dieser Stelle wird deutlich, dass es sowohl Vor- als auch Nachteile beim Nutzen von Gesundheitsinformationen im Netz (E-Health) gibt. Auf der einen Seite werden Userinnen und User ermächtigt sich selbstständig über Gesundheitsthemen zu informieren (engl.: Empowerment), auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob die Userinnen und User die nötige Medienkompetenz besitzen um die jeweiligen Informationen bewerten zu können (Bonfadelli, 2011).

Wie z.B. sieht es mit der Vertrauenswürdigkeit und der Qualität der Gesundheitsinformationen im Internet aus?

Laut der Studie „Gesundheit im Netz 2010“ wird Gesundheitsportalen und Patienten-Communities am meisten Vertrauen entgegengebracht, wohin gegen Webseiten von Medikamentenherstellern und Krankenkassen als wenig vertrauenswürdig angesehen werden. (Health 2.0 Research & Consulting, 2010)
Die Qualität der Gesundheitsinformationen schwankt in den einzelnen Portalen stark, was für Laien oft schwer zu erkennen ist, zudem die Informationen auch nicht immer übersichtlich aufbereitet sind (BITKOM, 2011). Ein weiterer Nachteil ist, dass mit vielen Portalen wirtschaftliche Interessen, wie etwa die Vermarktung spezifischer Produkte verfolgt werden, die ebenfalls nicht von allen Userinnen und Usern erkannt werden.

Als kleine Hilfestellung möchte ich an dieser Stelle einige Tipps gegeben, worauf man bei der Recherche von Gesundheitsthemen im Netz achten sollte:
  • Es ist ratsam immer mehrere Portale parallel zu recherchieren und die Informationen zu vergleichen. Zudem sollten User darauf achten, dass die Portale möglichst unabhängig sind, d.h. dass keine Pharmafirmen oder Anbieter mit wirtschaftlichen Interessen dahinter stehen.
  • Ein ausführliches Impressum und eine Datenschutzerklärung sind unter anderem Zeichen für die Seriosität von Portalen. 
  • Die/der Betreiber des Portals sollte Namen und Adresse sowie eine Kontaktmöglichkeit im Impressum angeben, eine Postfachadresse reicht keinesfalls aus. 
  • Ein Anzeichen für unseriöse Seiten sind solche, die ganz klare Empfehlungen geben oder gar ein spezifisches Medikament empfehlen. Natürlich wünschen sich die meisten User genau solche klaren Empfehlungen, jedoch sollen Gesundheitsinformationen aus dem Netz nur eine Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung sein und sollten verschiedene (Behandlungs-) Alternativen mit allen Vor- und Nachteilen aufführen. 
  • Es existiert eine Reihe von Qualitätssiegeln, die zumindest einen Anhaltspunkt für Seriosität liefern und jährlich erneuert werden müssen. Beispiele für solche Siegel sind: HON (Health on the Net) oder „afgis“ das Gütesiegel des Aktionsforums Gesundheitsinformation (Achtung: die Siegel sind nur echt, wenn sie sich auch anklicken lassen).

Fazit: Die Gesundheitsinformationen im Netz sollten nur als Ergänzung zum Arztbesuch genutzt werden, können diesen aber keinesfalls ersetzen. Die Informationen sollten zudem immer kritisch auf Ihre Qualität geprüft werden und mindestens auf zwei verschiedenen Seiten identisch vorzufinden sein.

Quellenverzeichnis:

BITKOM: Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.: Pressemitteilung. Online im Internet: URL:http://www.bitkom.org/files/documents/BITKOM-Presseinfo_Gesundheitsrecherche_im_Internet_26_08_2011.pdf [Stand 20.01.2012].

Bonfadelli, Heinz (2011): Zwischen Euphorie und Skepzismus- Empirische Evidenzen zur Gesundheitskommunikation via Internet, in: Web 2.0 und Social Media in der gesundheitlichen Aufklärung- Werkstattgespräch der BZgA mit Hochschulen, Köln, 2011.

Health 2.0 Research & Consulting: Studie: Gesundheit im Netz 2010. Online im Internet: Url: http://www.pmca.at/veranstaltungen/images/Studiensteckbrief_Gesundheit_im_Netz_2010.pdf [Stand 20.01.2012].

Horstmann, Angela: Wenn Dr. Google irrt, FAZ, Nr. 14 (17.01.2012)

Autorin




Martina Bliefernich
Schwerpunkte:
  • Marketing / PR
  • Redaktion

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