von
Regina Touati
Eines der Kennzeichen von Lebendigkeit ist es, in Kontakt zu sein. In Kontakt mit unseren Sinneswahrnehmungen. Es bedeutet wahrzunehmen, was in und um uns herum geschieht. Wir verfügen über drei Hauptkanäle der Wahrnehmung: Visuell - Auditiv - Kinästhetisch
Visuell bedeutet sowohl mit den Augen das Äußere zu beobachten; als auch innere Bilder entstehen zu lassen.
Auditiv bedeutet mit offenen Ohren zu hören, aber auch nach innen zu horchen. Selbstgespräche zu führen und unausgesprochene Gedanken zu vernehmen.
Kinästhetisch umfasst den ganzen Umfang körperlicher und emotionaler Empfindungen.( Lagesinn – Kraftsinn – Bewegungssinn )
Wir glauben, wir würden unseren Körper bewusst steuern. Aus physiologischer Sicht stellen wir fest, dass hunderte von Muskeln in verschieden Stadien damit beschäftigt sind, uns aufrecht zu halten. Und jede Sekunde wird in unserem Unterbewusstsein Millionen Bits an Information verarbeitet, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.
Wissenschaftliche Experimente haben ergeben, dass Nervenbahnen bereits durch die bloße Erinnerung an ein Ereignis aktiviert werden können. Es sind dieselben Nervenbahnen, die in Funktion waren, als das Ereignis wirklich stattfand.
Ein Gedanke von uns kann unmittelbar zum Stressfaktor werden oder auch euphorische Freude auslösen. Für das Gehirn ist eine Erinnerung nichts anderes als ein Ereignis, dass in der Jetztzeit stattfindet. Wenn wir eine Erinnerung innerlich wiederbeleben, ist das für das Gehirn die gegenwärtige Realität.
„GEHIRNZEIT IST JETZTZEIT“ (Charles T. Krebs)
Das Limbische System in unserem Gehirn ist das Zentrum unserer unterbewussten und emotionalen Verarbeitung. In seinem Bereich entstehen unsere Emotionen, dort werden Erinnerungen abgelegt und unser Überleben gesichert. Es gibt direkte neurologische Verbindungen zwischen dem limbischen Gehirn und den Nervenbahnen, die den Muskeltonus und die Spannung kontrollieren. Deshalb wird die Stimmung eines Menschen unmittelbar in seinem Muskeltonus reflektiert. Sorgen wir uns täglich, ärgern uns fünf Mal am Tag und mögen auch oft seufzen, so werden über das Limbische System Botenstoffe ausgeschwemmt um diese Erfahrungen (Sorge, Ärger, Seufzen) fühlen zu können. Vielleicht pressen wir die Zähne zusammen, verspannen den Nacken oder bekommen Magenkrämpfe ein, um diese Emotionen in uns zu bändigen.
So wie die Sorge, die Angst, die Wut oder die Trauer in uns eine Art geistige oder emotionale Verspannung darstellt, so deutlich spiegelt und überträgt diese Spannung sich auf unsere Bewegungsmuster.
Unsere Bewegungsmuster sind individuelle Gewohnheiten, auch von Gedankenmustern.
Durch Selbstwahrnehmung können wir eine Änderung unserer Gewohnheiten erarbeiten und dadurch verloren geglaubte Beweglichkeit wiedererlangen.
Wir beginnen bewusst eine alte Gewohnheit durch ein neues Bewegungsgefühl zu ersetzen. Wir sind aufgefordert sogenannte „blinde Flecken“ wahrzunehmen.
Chronisch bedeutet: ein Muster liegt vor. Gewohnheiten schleichen sich unbewusst ein. Der hyperaktive Verstand, der heute so verbreitet ist, verbraucht Unmengen von Energie und bringt uns oft in Schwierigkeiten. Das ewige Geschwätz in uns ist, unser außer Kontrolle geratener Verstand. Schließlich ist Ruhe der letztendliche Heiler. Das reine Bewusstsein ist die größtmöglichste Ruhe unseres wahren Selbst.
Das Bewusstsein kann trainiert werden, durch unseren freien Willen. Wir können uns täglich Entscheiden, auf uns selbst zu achten. Diese Achtsamkeit erhöht sich mit den Tagen, Wochen und Monaten ganz von selbst. Es ist immer die richtige Zeit damit anzufangen. Auch jetzt!
Verfasserin: Regina Touati
Dozentin im Gesundheitswesen
Heilpraktikerin im physiotherapeutischen Bereich
staatlich anerkannte Krankengymnastin