von
Thomas Eckardt
Grundsätzlich ist es zunächst sinnvoll für den Ablauf der Intervision allgemeingültige Regeln festzulegen (z. B. Akutfall hat Vorrang; Reihenfolge themenspezifischer Fälle; welche Hilfsmittel?). Ein Zeitlimit sollte bestimmt werden, dabei kann eine für alle Teilnehmer sichtbare Uhr wertvolle Hilfe leisten. Der Zeitrahmen sollte 60 bis 90 Minuten nicht überschreiten.
Der Intervisant darf in seiner Falldarstellung nicht von den Intervisoren unterbrochen werden. Es wird jeweils nur ein Fall besprochen und alle Teilnehmer/ innen sollten es vermeiden, Wertungen zu vollziehen. Der Moderator wird vorher festgelegt. Vor der Sitzung sollten Störungen ausgeschlossen werden.
Die Intervision gliedert sich in folgende Abschnitte:
1. Warming-tip
11. Sachstandsbericht
1. Falldarstellung
2. Fragen/Antworten
3. Situationsanalyse
4. Lösungen/Beratungen
5. Würdigung/Maßnahmenplan
6. Feedback/Sharing
Warming-up
Für diese Phase sind maximal fünf Minuten vorgesehen. Der Moderatoreröffnet die Sitzung und fuhrt durch den Prozess. Er ist inhaltlich nicht involviert und sorgt für eine positiv-konstruktive Arbeitsatmosphäre. Nach einem kurzen Stimmungsbarometer, wobei jeder Teilnehmer nach seiner Befindlichkeit gefragt wird, beginnt die Fallauswahl. Akute Fälle sollten zuerst bearbeitet werden.
Sachstandsbericht
Nun folgt ein kurzer Bericht des letzten Intervisanten über die letzte Intervision. Sind im Anschluss alle Beteiligten für einen neuen Fall bereit, kann es mit der Falldarstellung weitergehen.
1. Falldarstellung
In diesen 10 bis 15 Minuten spricht nur der Intervisant bzw. Fallspender. Zunächst schreibt er seine persönliche Fragestellung auf einen Flipchart auf.
Dabei sollte er auf folgende Punkte achten:
a) Bin ich selber Gegenstand der Falldarstellung?
b) Ist der Klient/Kunde Gegenstand der Falldarstellung?
c) Ich weiß es nicht.
In vielen Einrichtungen des Geundheitswesens stehen regelmälige Supervisionen auf dem Pro-,ramm, um Abläufe und Konflikte :u reflektieren. Eine Alternative :ann die so genannte „Intervision" (kollegiale Beratung) sein. Innerhalb der kollegialen Beratungsgruppe kann auf diese Weise ein großer Teil der Beratungsanliegen bearbeitet werden. Wie das geht, erläutert der folgende Beitrag.
Klienten, einen typischen Kernsatz, den dieser sagen würde, und eventuelle Unterlagen aus dem genutzten Dokumentationssystem. Des Weiteren sichtet der Intervisant die Betreuungs- und Behandlungsplanung und erläutert ggf. wichtige Punkte daraus, wie z.B. Problemlagen, Entwicklung und Zielsetzung.
Eine weitere Methode der Falldarstellung ist die Soziometrie. Dabei setzt sich der Intervisant z. B. auf einer Weißwandtafel (oder anderen Hilfsmitteln) mit anderen Faktoren in Beziehung, um einen genauen Überblick zu bekommen. Es folgt eine detaillierte verbale Beschreibung der auslösenden Situation. Diese gehört noch zur Orientierungsphase.
Es werden vier Ebenen berücksichtigt:
Mitarbeiterebene (Kollegen),
Selbstebene (Emotionen),
Organisatorische Ebene,
Klienten/Kundenebene.
Hier kann der Moderator durch Verdichten von Aussagen feststellen, ob der Sachverhalt richtig verstanden wurde. Gegebenenfalls wird die Fragestellung von Intervisant konkretisiert.
2. Fragen/Antworten
In dieser Phase werden offene Fragen gestellt. Geschlossene Fragen sind nicht immer effektiv, da sie mit „ja", „nein", Daten oder Fakten zu beantworten sind und nicht unbedingt zum Verstandnis beitragen. Zur Klarung des Sachverhaltes können sie aber hilfreich sein.
Sinn und Zweck der Fragephase ist die Suche nach moglichen Ursachen. Dabei ist zu bedenken, class Fragen machtig sind, sie konnen verletzen und blockieren. Ebenso konnen sie einen Reflexionsprozess auslifosen. Die Fragephase soli nicht zu einer personlichen Verteidigungshaltung des Intervisanten fiihren. Möliche Fragen zur Falldarstellung können die Eckdaten, der Anlass der Fallvorstellung oder die Situation nach dem Vorfall sein.
(siehe folgende Beispiele):
Mitarbeiterebene:
Wie war die Mitarbeitersituation?
Wie haben andere Mitarbeiter reagiert?
Welche Anforderungen werden an die Mitarbeiter gestellt?
Selbstebene:
Wie war deine Stimmung (vorher, wahrend, danach)?
Welche Erwartungen hattest du?
Wie schatzt du deine Belastung ein?
Wie sieht deine Selbsteinschatzung in Bezug auf Team aus?
Organisationsebene:
Wie viele Mitarbeiter waren im Dienst?
Gab es Termine?
Wer war fiir was zustandig?
Gab es Abweichungen von der Tagesstruktur?
Ist schon mal eine ahnliche Situation aufgetaucht?
Klienten-/Kundenebene:
Welcher Klient/Kunde?
Wie war die Stimmung der Klienten/ Kunden (vorher, wahrend, nachher)?
Gab es Zeugen/Beobachter?
Was waren die Erwartungen der Kunden?
Gab/Gibt es ein Verhalten von Gruppenbildung/Solidarisierungen bei den Kunden?
Aus allen Antworten der Fragephase werden von den Teilnehmern Karten für mögliche Ursachen erstellt. Ratsam ist eine Einteilung nach Farben oder nach Größe der Zettel.
Auf kleine Zettel können Ursachen, auf große Zettel werden Problemfelder definiert und auf runde Zettel die Namen der jeweiligen Cluster geschrieben.
Dabei ist zu beachten:
keine Fragen,
keine Lösungen,
eine Ursache auf eine Karte!
Dies ermöglicht das Clustern auf dem Flipchart. Ist das Problem eher offen und nicht auf eine einzelne Person bezogen, so kann als Hilfsmittel eine Mindmap dienen. Der Moderator mischt die Karten und beginnt mit dem ersten Cluster z. B. oben links auf dem Flipchart. Die Clusterung ist ein interaktiver Prozess zwischen den Intervisoren, die die Hauptursachen in einzelne Bereiche zusammenfassen. Bei einem geschlossenen Fall besteht ein spezielles Problem bezogen auf eine Person. Hier wird als Hilfsmittel das so genannte Fischgratdiagramm genutzt. Wohin gehort das Problem?
Die einzelnen Fischgraten konnen z. B. lauten:
Suchtproblematik,
Biografie,
Diagnose,
aktuelle Situation/IClientenbefindlichkeit/persOnliche Problematik,
Medikation,
psychopathogene Belastung fiir Mitarbeiter und Kunden,
Organisation.
Das Gewichten der Hauptursachen in den Clustern erfolgt per Punktvergabe. Jeder Teilnehmer vergibt zwei bis drei Punkte. Die Punktanzahl wird summiert, so dass eine Einteilung in Haupt- und Nebenkomponenten erfolgen kann.
4. Lösungen/Beratung
Zum Eruieren von Losungsvorschlagen wird das sog. Losungsblatt genutzt. Die Vorschlage werden von den Teilnehmern auf Karten geschrieben, die sich aus den Einzelursachen ergaben. So entsteht aus der alten Mindmap oder dem Fischgratdiagramm ein neues Cluster.
5. Würdigung und Maßnahmenplan
Der Intervisant/Fallspender würdigt die Menge an Lösungsvorschlagen und beginnt den Selektionsprozess von positiven Vorschlägen bis zu negativen. Die Vorschläge werden in einem Protokoll gesammelt und können vom Intervisanten bewertet werden. Er sucht sich die brauchbaren Ideen raus und trifft die Wahl entweder für sich oder es entstehen weitere Themenschwerpunkte für einzelne oder teambezogene Aufgaben. Es folgt eine Mitteilung an die Gruppe. Ein Maßnahmenplan muss zusammengestellt werden mit der Leitfrage, was für den Fallspender jetzt zu tun ist. In diesem Plan werden (evtl. auch mit konkreten Terminen) die von den Intervisanten ausgewählten Losungsvorschlage festgehalten. Dieser Plan kann später zur Evaluation genutzt werden.
6. Feedback/Sharing
Zum Schluss wird ein kurzes Blitzlicht durchgeführt mit Rückfragen an alle Teilnehmer. Es besteht die Möglichkeit, von den eigenen Erfahrungen zu berichten. Der Fallspender formuliert ein Feedback an die Gruppe über Ablauf und Empfinden der Sitzung und zeigt ein eigenes Stimmungsbarometer an. Darauf folgt ein Feedback der Intervisoren an den Fallspender und den Moderator der Gruppe. Zum Abschluss gibt der Moderator sein Feedback an alle, beendet die Sitzung mit einem möglichst positiv und konstruktiv erlebbaren Satz. Es ist sinnvoll, die Intervisions-Protokolle zu speichern. Dies bildet die Grundlage spätere Besprechungen sowie zur Evaluation.