Die Krankenschwester Maj-Britt Joost sowie die Sexualwissenschaftler Claus Holm und Janne Kungsholm waren verantwortlich für die Seminare. Über 400 Pflegeheimmitarbeiter waren bei einem Projekttag über Sexualität der Senioren. 20 Spezialpflegekräfte verteilt über alle Pflegeheime der Kommune waren auf einem Kursus über fünf Tage.
Eine 90 Jahre alte Frau war in ein Pflegeheim in Gentofte gezogen. Im lauf der ersten paar Wochen fragte das Pflegepersonal auch nach ihren sexuellen Bedürfnissen. Ihr Ehemann war verstorben und sie hatte viele Jahre kein Sexualleben gehabt. Nach einigen Wochen kam sie dennoch zu einer Pflegekraft und erzählte, dass sie „solche“ Programme abends im Fernsehen gesehen hatte. Ja, sagte die Pflegekraft, die gute verstanden hatte, dass das auf den Porno-kanal des Pflegeheims hindeutete.
Ob das denn interessant gewesen sei? Ja, meinte die Frau, das war es. Ein paar Tage später kam sie wieder zu der Pflegekraft und erzählte mit großer Verblüffung, das: „Gestern waren das zwei Mädchen!“
So berichtet Maj-Britt Joost, Demenzkoordinatorin in der Gentofte Kommune und Leiterin des Projekts „Liebe und Sex das ganze Leben“ mit einem Schmunzeln. Die Geschichte illustriert, was das Resultat des Projektes ist: Offenheit.
„Darüber hätte sie niemals mit der Pflegekraft gesprochen, wenn nicht im Pflegeheim signalisiert worden wäre, dass man dort gern über solche Themen sprechen kann.“
Sexualität ist natürlich
Das Pflegepersonal der Kommunen war auf einem Seminar und darüber hinaus bekamen 20 weitere Pflegekräfte eine besondere Ausbildung über fünf Tage. Diese sind verteilt über alle Pflegeheim der (Gentofte) Kommune und können hinzugerufen werden, wenn Bedarf für Rat und Hilfestellung über Sexualität besteht. Ein anderer Teil des Projekts war, Richtlinien für alle Pflegeheime der Kommune (Landkreis) zu erstellen.
Daher ist Sexualität jetzt einer der Bereiche, die betrachtet werden, wenn über Bedürfnisse und Probleme der Bewohner diskutiert wird.
Die 60’er-Generation kommt
Für viele der Pflegekräfte war Sexualwissenschaft ein Thema, über das sie nicht viel wussten und daher meinte Maj-Britt Joost, dass das Projekt ein Erfolg war. Es gab nämlich den Pflegekräften Wissen um die Sexualität der Senioren und Werkzeuge, darüber mit Kollegen, Angehörigen und den Bewohnern selbst zu sprechen.
Am Projekttag wurde auch diskutiert, wie Pflegeheime die neue Generation der Senioren unterbringen soll, die andere freiere Verhältnisse zur Sexualität haben: „Das werden wir als Pflegeheim hinkriegen. Zum Beispiel dadurch, dass wir Räume haben, wo Pornofilme gezeigt werden und die Leute sich treffen können“.
Eine Kultur ändern
Maj-Britt Joost hofft auch, das das Projekt auf längere Sicht mit sich bringt, das das Tabu der Sexualität Älterer in dem Maß verschwindet, wie die Kultur sich darum ändert: „Es dauert lange Zeit, eine Kultur zu ändern aber wir nähern uns dem und wir wagen es davon zu träumen. Denn die Sexualität der Älteren ist ein Tabu.“
Rømø, 11.10.2010
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