GmbH ja oder nein?

27 % der Pflegedienste firmieren laut einer Studie der pflegemarkt.com in der CAREkonkret als Kapitalgesellschaft.

 

Wo liegen Vor- und Nachteile?

Bei der Gründung des eigenen Unternehmens oder im Laufe von Veränderungen des Unternehmens, wie zum Beispiel durch Wachstum oder Unternehmensverkauf bedingt, ist es oft nicht leicht, sich für die richtige Rechtsform zu entscheiden. Es gibt sowohl bei der Einzelunternehmung als auch einer Kapitalgesellschaft wie der GmbH oder der Unternehmergesellschaft (UG) Vor- und Nachteile. Viele entscheiden sich im ersten Schritt gegen eine GmbH oder UG, da diese bei Neugründung mit mehr Formalitäten und höheren Kosten verbunden ist. Dennoch lohnt es sich in jedem Fall darüber nachzudenken, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung wie der GmbH oder der UG zu gründen oder sein Unternehmen in diese umzuwandeln, zumal beides mit weniger Aufwand verbunden ist als häufig befürchtet und es auf den ersten Blick erscheint.

 

Für welche Unternehmensform Sie sich entscheiden oder bereits entschieden haben, hängt von vielen Kriterien ab.

  • Welche Ziele verfolge ich mit meinem Unternehmen?
  • Inwieweit kann und will ich dafür haften?
  • Will ich das Unternehmen alleine führen oder wächst es unter Umständen so schnell, dass weitere Gesellschafter und (Eigen-) Kapitalgeber von Vorteil wären?
  • Möchte ich mein Unternehmen irgendwann veräußern oder weitere hinzukaufen?

Keine Haftung mit dem persönlichen Vermögen

Ein ausschlaggebendes Kriterium, wenn nicht sogar das ausschlaggebendste Kriterium, sich für eine GmbH zu entscheiden, ist in vielen Fällen, dass Sie als Gesellschafter nicht mit dem persönlichen Vermögen haften, sondern nur mit dem Stammkapital. Bei einer GmbH beträgt das Stammkapital  25 TEUR, welches bei Gründung mindestens zur Hälfte eingezahlt werden muss. Das Stammkapital der UG beträgt 1 TEUR. Es muss allerdings mit 25 % der laufenden Gewinne aufgestockt werden, bis insgesamt 25 TEUR Kapital erreicht sind und die UG in eine GmbH gewandelt wird. Zu berücksichtigen ist, dass die  Haftungsbeschränkung nur gilt, wenn Sie Ihre mit der GmbH verbundenen gesetzlichen Handlungspflichten erfüllen. Eine GmbH unterliegt den Vorschriften des Handelsgesetzbuches. Das heißt, es besteht die Buchführungsplicht und es muss unter anderem ein Jahresabschluss erstellt und veröffentlicht werden.

Vereinfachte Unternehmensnachfolge

Eine GmbH oder eine UG können im Gegensatz zu einer Einzelunternehmung auch von Dritten, die nicht an ihr beteiligt sind, geführt werden. So können Sie zum einen „fremdes Fachwissen“ für Ihre Unternehmensführung nutzen und/oder sich selbst aus dem Unternehmen „heraus ziehen“. Ebenso können Anteile einer Kapitalgesellschaft leichter übertragen und vererbt werden als eine Einzelunternehmung, da die GmbH- oder UG-Beteiligungen von Ihrem Privatvermögen getrennt sind, was die Regelung der Unternehmensnachfolge erheblich erleichtert. Gerade im Pflegebereich besteht häufig das Problem, dass es keine Familiennachfolge gibt und ein Verkauf bei einer Einzelunternehmung häufig mit größeren Steuerbelastungen verbunden ist. Die zu zahlende Steuer für den Veräußerungsgewinn ist bei einer Einzelunternehmung wesentlich höher, da die Besteuerung zum persönlichen Einkommensteuersatz erfolgt, und der Anspruch auf den vom Staat gewährten Freibetrag nur besteht, wenn die Veräußerin oder der Veräußerer das 55. Lebensjahr erreicht hat.

Innenfinanzierung

Aus steuerlicher Sicht bietet die GmbH oder die UG ebenfalls Vorteile im Hinblick auf die Innenfinanzierung. Die Gewinne einer Einzelunternehmung sind mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern, während die Ertragssteuer einer GmbH oder einer UG in den meisten Fällen wesentlich geringer ist. Somit bleibt mehr von dem Gewinn in dem Unternehmen und es können Reserven gebildet oder Finanzierungen getätigt werden.

Vor- und Nachteile einer GmbH oder UG im Überblick

Vorteile

  • Ausschluss der persönlichen Haftung der Gesellschafter, Ausnahme: Fahrlässigkeit
  • Eigene Rechtsfähigkeit der GmbH/UG: die GmbH/UG kann eigene Geschäfte abschließen und z.B. Anteile an anderen Unternehmen halten
  • Möglichkeit zur entgeltlichen Mitarbeit im eigenen Unternehmen
  • Möglichkeit eines Fremdgeschäftsführers (erleichtert die Unternehmensnachfolge)
  • höchstmögliche Einflussnahme auf die Geschäftsführer der GmbH/UG
  • Wechsel von Gesellschaftern bereitet nach dem GmbH-Gesetz keinerlei Hindernisse; Erschwernisse können jedoch in den Gesellschaftsvertrag aufgenommen werden
  • Gesellschaftsvertrag (Satzung) kann flexibel ausgestaltet werden
  • Bildung von Reserven, da Gewinne nicht ausgeschüttet werden müssen
  • Gewinne der GmbH/UG unterliegen zunächst nur der Ertragssteuer (ca. 30 %). Die Gewinne werden nicht auf die Einkommensteuer der Gesellschafter angerechnet. Bei Gewinnausschüttungen an die Gesellschafter erfolgt jedoch eine Besteuerung der ausgeschütteten Gewinne auf Ebene der Gesellschafter (Abgeltungssteuer, ca. 25 %)

Nachteile

  • Gründung der GmbH/UG, Änderungen und Abtretung von Geschäftsanteilen müssen notariell beurkundet und in das Handelsregister eingetragen werden
  • Bei Gründung einer GmbH ist eine Stammeinlage von 25 TEUR erforderlich, von der bei der Gründung mindestens die Hälfte einbezahlt werden muss; bei Gründung einer UG sind 1 TEUR erforderlich
  • Buchführungspflicht, Pflicht zur Erstellung und Veröffentlichung von Handelsbilanzen, Gewinn-und Verlustrechnung und Jahresabschluss
  • Bei der GmbH ist ein Insolvenzgrund neben der Zahlungsunfähigkeit die Überschuldung (Vermögen deckt nicht die Verbindlichkeiten), bei risikoreichen Unternehmen kann dies schnell der Fall sein

Während die genannten Nachteile einer GmbH oder UG auf den ersten Blick in erster Linie in höheren Kosten zu sehen sind, bieten sie auch Vorteile. Zum Beispiel liefert eine regelmäßige Buchführung einen besseren Überblick über das Unternehmen. Dies kann dazu beitragen, dass mögliche Fremdkapitalgeber gegebenenfalls eher bereit sind, Mittel zur Verfügung zu stellen, da ein besserer Blick auf das Unternehmen gewährt werden kann.

Wir beraten Sie gern zu diesem Thema und helfen Ihnen dabei, die richtige Rechtsform zu finden und die richtigen Weichen für ein erfolgreiches Unternehmen zu stellen.


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