Die MDK-Noten in der Kritik

Die Bestnote 1,0 trotz qualitativ schlechter Behandlung der Patienten?

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen (MDK) hat zur Aufgabe, Pflegeheime und Pflegedienste zur Qualitätssicherung nach SGB XI §114 zu kontrollieren und nach bestimmten Kriterien zu bewerten und die Ergebnisse nach dem Schulnotensystem auszugeben. Die Transparenzvereinbarung sieht vor, dass die vergebenen Noten online veröffentlicht werden, um Transparenz zu schaffen und  den Wettbewerb zu stärken.

Bei Pflegediensten wird die Note aus 49 und bei Pflegeheimen aus 82 Einzelkriterien berechnet. Bei Pflegediensten erstrecken sich die Kriterien über die Bereiche „pflegerische Leistung“, „Dienstleistung und Organisation“ und  „Befragung der Kunden“. Beim Pflegeheim über „Pflege und medizinische Versorgung“, „Umgang mit demenzkranken Bewohnern“, „soziale Betreuung und Alltagsgestaltung“, „Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene“ und „Befragung der Bewohner“ (Ausführliche Erläuterung unter pflegenoten.de).

In der Kritik steht vor allem die fehlende Gewichtung der Kriterien. So sagt der Bundespatientenbeauftragte Wolfgang Zöller (CSU): „Wenn ich aber in der Gesamtbeurteilung häufiges Wundliegen mit einem guten Schnitzel oder einem schönen Gartenfest ausgleichen kann, dann ist das Instrument gescheitert“. Es entstünden zu viele Bestnoten, die eine Aussage über tatsächliche qualitative Unterschiede unmöglich machen.

Dies belegt auch eine Auswertung aus der pflegedatenbank.com. Die dort 9.949 gelisteten Pflegedienste weisen eine durchschnittliche Pflege-Note von 1,4, die 10.549 Pflegeheime sogar eine Durchschnittsnote von 1,2 aus. Dabei zeigt sich, dass rund 95 % der Pflegeheime und 85 % der Pflegedienste eine Note zwischen 1,0 und 1,9 haben. Die absolute Bestnote 1,0 wurde sogar einem Viertel der Pflegedienste und über einem Drittel der Pflegeheime ausgestellt. Besonders bei den Pflegeheimen fällt auf, dass lediglich 0,5 % eine schlechtere Note als eine 3,0 ausgestellt wurde (Pflegedienste: 4%). Es wird deutlich, dass dieses Noten-System und die damit verbundene Aussagekraft hinterfragt werden müssen. Der Aufwand des MDKs für die Benotung steht momentan mit dem Nutzen nicht im Verhältnis.

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Eine Reform soll dies beenden und den Noten wieder eine Bedeutung geben. Demnach sollen in Heimen künftig 21 zentrale Punkte der Bewertung im Internet besonders hervorgehoben werden. Zudem sollen Kriterien wie „jahreszeitliche Feste“ wegfallen und mehr Patienten mit höheren Pflegestufen überprüft werden. Die Gewichtung wird sich hingegen, zum Bedauern der Krankenkassen, nicht verändern. Durch die Maßnahmen werde die Aussagekraft der Benotung realitätsnäher dargestellt und „schwarze Schafe“ entlarvt.

Das Bundesgesundheitsministerium rechne mit einer zügigen Umsetzung der Neuregelung zum Anfang des nächsten Jahres.

Quellen


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