Eine stationäre Marktanalyse auf Landkreisebene in Deutschland

Einleitung

Für insgesamt knapp drei Millionen pflegebedürftige Menschen stehen in Deutschland verschiedene Formen der Versorgung und Unterbringung zur Verfügung. Im Verhältnis stehen rund 17 Millionen Menschen, die älter sind als 65 Jahre. Damit geht man von einer Pflegequote, berechnet auf die Über-65-Jährigen, von circa 17 Prozent aus. Drei Viertel der insgesamt Pflegebedürftigen werden in Deutschland zu Hause versorgt, die meisten davon allein von Angehörigen. Den restlichen Anteil der Versorgung zuhause übernehmen ambulante Pflegedienste. Damit besteht ein weiterer Bedarf an rund 800.000 stationären Pflegeplätzen, was 2015 einen Anteil von rund 27 Prozent an den insgesamt pflegebedürftigen Personen bundesweit ausmachte. Die folgende Analyse beschäftigt sich mit dem stationären Versorgungskonzept, dessen regionalspezifischen Besonderheiten des Angebots und dem Zusammenhang mit Kostenstrukturen. Dabei liegt der Fokus vor allem auf der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen den angebotenen Pflegebetten eines Landkreises zu den durchschnittlichen Kosten besteht. Des Weiteren wird untersucht, ob die einzelnen Kostengruppen wie der einrichtungseinheitliche Eigenanteil, die Investitionskosten sowie die Kosten für Unterkunft und Verpflegung ebenso einen Einfluss zueinander haben.

Stationäres Versorgungsangebot und EEE Kosten im Bundesländervergleich

Die Analyse der stationären Versorgung durch Pflegeheime von 401 Landkreisen ergab ein Bild, aus dem eine unterschiedliche Vorhaltung an Pflegebettenkapazität hervorgeht. Bezogen auf die Einwohner konnten Gebiete identifiziert werden, die nach diesem Prinzip im Vergleich über- oder unterversorgt sind. Der Analyse zufolge gibt es in Deutschland insgesamt 881.000 Pflegeplätze, die durch rund 11.500 stationäre Pflegeheime angeboten werden. Im Durchschnitt stehen pro 100 Einwohner über 65 Jahre somit 5,3 Heimplätze zur Verfügung. In Niedersachsen sind es sogar 6,5 Plätze, dicht gefolgt von Schleswig-Holstein mit 6,2 Plätzen pro 100 Einwohner über 65 Jahre. Bundesländer mit der geringsten Pflegeplatzdichte in Relation zur Bevölkerung sind Brandenburg mit 4,4 Plätzen sowie Bremen mit 5 vollstationär versorgten Pflegebetten. Aggregiert man die Durchschnittskosten des einrichtungseinheitlichen Eigenanteils (EEE), der Investitionskosten sowie der Kosten für Unterkunft- und Verpflegung (U+V Kosten) von Landkreisebene auf Bundeslandebene, so ergibt sich folgendes Bild.
Die Bundesländer mit den höchsten durchschnittlichen EEE-Kosten sind Berlin, Baden-Württemberg, Saarland, Bayern und Nordrhein-Westfalen (NRW). Dagegen stehen Thüringen und Mecklenburg mit durchschnittlich 550 Euro weniger pro Monat mit dem geringsten zu zahlenden Beitrag im Monat. Bei den mittleren Investitionskosten führen NRW mit monatlich 517 Euro und Niedersachsen mit monatlichen Kosten in Höhe von 510 Euro die Liste der teuersten Bundesländer nach dieser Kostenart an. Schlusslichter sind wiederum die neuen Bundesländer Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Für Unterkunft und Verpflegung bezahlt der Bewohner in NRW mit durchschnittlich rund 970 Euro mit Abstand am meisten pro Monat. Hamburg, das Saarland, Bremen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sind weitere Länder mit einem relativ hohen Kostenbeitrag um rund 750 Euro monatlich. Auch in dieser Kategorie finden sich die geringsten Kosten für Unterkunft und Verpflegung in den neuen Bundesländern.

Stationäres Versorgungsangebot und EEE Kosten im Bundesländervergleich



Regionale Angebotsverteilung und Kostenkorrelationen

Betrachtet man die Zusammenhänge auf Landkreisebene und integriert einige Einflussgrößen in die Betrachtung, verändert sich das Bild nochmals in einigen Aussagen. Es wurde untersucht, inwieweit zwischen dem regionalen Angebot an Pflegeplätzen und mit den Kosten des EEE, den Investitionskosten sowie den U+V Kosten ein möglicher Zusammenhang besteht.
Ergebnis der Untersuchung ist, dass die Plätze pro 100 Einwohner über 65 eine Korrelation mit dem EEE sowie den U+V Kosten aufwies. Bundesweit konnte hier eine schwach negative Korrelation nachgewiesen werden. Konkret bedeutet dieser Zusammenhang, dass beispielsweise der Kostensatz des einrichtungseinheitlichen Eigenanteils (EEE) mit einem kleiner werdenden Angebot an Pflegeplätzen ansteigt, respektive sich verteuert. Des Weiteren entwickeln sich auch die durch den Bewohner zu tragenden Kosten für Unterkunft und Verpflegung invers zu den verfügbaren Pflegeplätzen, was bedeutet, dass auch die Unterkunfts- und Verpflegungskosten bei einer Verknappung der angebotenen Plätze ansteigen. Auf Bundeslandebene ist der Zusammenhang zwischen steigenden EEE bei Abnahme der Bettenkapazität besonders stark in Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und NRW zu beobachten. Im Gegensatz dazu ergibt sich in Sachsen und Sachsen-Anhalt ein konträres Bild. In beiden Bundesländern sinken die Kosten mit Verknappung der Pflegebetten.
Ähnliche Effekte in den Bundesländern sind neben dem EEE ebenso bei der Untersuchung von Korrelationen mit den Kosten für Unterkunft und Verpflegung zu beobachten. Die Kostensätze verteuern sich bei sinkender Bettenkapazität, was einer normalen Angebots- und Nachfragereaktion entspricht.

Positive Korrelation zwischen EEE-Kosten und Investkosten mit Kosten für Unterkunft und Verpflegung

Die Korrelation zwischen der Entwicklung der EEE Kosten und der Kosten für Unterkunft und Verpflegung ist mit 0,44 eindeutig positiv, die beiden Variablen beeinflussen sich gegenseitig in die gleiche Richtung.
Außerdem konnte eine ebenso positive Korrelation zwischen den Investkosten und den Kosten für Unterkunft und Verpflegung untersucht werden. In Bezug auf die Grundgesamtheit kann somit angenommen werden, je höher die Investitionskosten sind, desto höher fallen auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung pro Monat an.Korrelation Kosten EEE zu U+V-Kosten pro Landkreis
Korrelation Investkosten zu U+V-Kosten pro Landkreis

Die teuersten Pflegeregionen Deutschlands

Verschafft man sich einen Überblick über die jeweils teuersten Pflegeregionen Deutschlands, so ergeben sich stark konzentrierte Verteilungsmuster in der Bundesrepublik. Werden alle Kostenarten, die durch den Bewohner zu zahlen sind (EEE, Investkosten und U+V Kosten), zusammen addiert, so liegen die teuersten Regionen in Nordrhein-Westfalen. Bei einer isolierten Betrachtung des EEE zeigt sich, dass dieser in Baden-Württemberg und Bayern am höchsten liegt. Deutlich günstiger sind die Kostensätze in den neuen Bundesländern. Die teuersten Pflegeregionen Deutschlands

Analyse der Versorgung der stationären Pflege in Deutschland

Die Analyse Versorgung der stationären Versorgung in Deutschland basiert auf der Liste der stationären Einrichtungen aggregiert auf Landkreisebene. Ausgewertet wurden in dieser Analyse die absoluten und durchschnittlichen Pflegeplätze, Kostensätze, Baujahre und Auslastungen für jeden einzelnen der 400 Landkreise in Deutschland. Zeitpunkt der Analyse ist Juni 2017. Die Grundlagendaten aus der Liste können auf Anfrage für individuelle Datenauswertungen genutzt werden. Die Ergebnisse stehen als Excel-Datei aufbereitet zum Download bereit.

Fazit

Es zeigt sich eindeutiges Gefälle in Bezug auf die vom Bewohner zu zahlenden Kosten von den alten zu den neuen Bundeländern. Ein relativ eindeutiger Zusammenhang innerhalb der Kostengruppen bestehen vor allem zwischen den Kosten des EEE und den U+V Kosten sowie zwischen Investkosten und U+V Kosten. Des Weiteren konnte ein schwach negativer Zusammenhang zwischen dem Angebot von Pflegeplätzen und dem EEE analysiert werden. Das heißt, ein steigender EEE bei relativer Verknappung des Angebots liegt hier zugrunde. Es ist zu erwarten, dass jedoch weiterhin eine dynamische Entwicklung dieser Kostengröße stattfinden wird, da auch wie im Krankenhausmarkt systembedingte Vergütungsanreize zu sogenannter „Risikoselektion“ führen werden.

 

Definition Risikoselektion

Beim Vorgang der Risikoselektion werden die Risiken ermittelt, die maximalen Einfluss auf die Risikosituation eines Projektes haben. Im deutschen Gesundheitswesen bestehen systembedingte Anreize, bestimmte Risiken (Patienten) bewusst auszuwählen, bzw. die Leistungen anzubieten, die möglichst rentabel vergütet sind, während Leistungsbereiche mit weniger attraktiver Vergütung eingeschränkt werden (Krankenhaus). Ähnliche Entwicklungen sind gegebenenfalls im Bereich der Pflege zu erwarten (Selektion der Pflegegrade).

Definition Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (EEE)

Der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) ist der Betrag der Zuzahlung pro Bewohner, der monatlich zuzüglich den Investitionskosten und den Aufwendungen für Unterkunft, sowie Verpflegung an das Pflegeheim entrichtet werden muss. Die Leistungen aus den Pflegegraden 2-5 sind bereits in der Berechnung des einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) enthalten. Für den Pflegegrad 1 wird kein einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (EEE) erhoben, da dies durch die Pflegeplatzkosten ersetzt wird. Die Zuzahlung beläuft sich für den Pflegegrad 1 auf 125 Euro.

Definition Investitionskosten

Die Investitionskosten sind bestimmt für die Miete und decken somit die Kosten für das Gebäude und die Instanthaltung ab. Die Investitionskosten stellen eine Kaltmiete dar und variieren nach Art und Ausstattung der Einrichtung. Aus den Investitionskosten können Rückschlüsse auf die Modernisierung bzw. den Bau der Einrichtung geschlossen werden. Aufgrund von Zuschüssen, die in einzelnen Bundesländern gewährt werden, können die Kosten zwischen den Bundesländern variieren.

Definition Unterkunfts- und Verpflegungskosten

Die Unterkunfts- und Verpflegungskosten werden von den Pflegekassen verhandelt und von dem Bewohner gezahlt.

Definition Korrelation

: Maß, mit dem in der Korrelationsanalyse die Stärke eines positiven oder negativen Zusammenhangs (Korrelation) zwischen zwei quantitativen Merkmalen bzw. Zufallsvariablen gemessen werden kann. Die maximale Korrelation beträgt 1, ein eindeutiger Zusammenhang besteht. Ab einem Korrelationskoeffizient von r=0,4 spricht man von einem Zusammenhang der beiden gemessenen Variablen. 0 bis 0,2 bedeutet, es besteht wahrscheinlich kein Zusammenhang.

Quellen

  • https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Pflege/Pflege.html
  • http://www.gbe-bund.de/oowa921-install/servlet/oowa/aw92/WS0100/_XWD_PROC?_XWD_206/1/XWD_CUBE.DRILL/_XWD_234/D.100/10102

Analyse der stationären Pflege in Deutschland

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