Analyse Demenz WGs in NRW

Die zunehmende Verzahnung der Angebote von Pflegedienstleistern geht einher mit einer wachsenden Spezialisierung der Anbieter. Im Segment der ambulanten Pflege treten immer häufiger sogenannte ambulant versorgte Wohngruppenkonzepte in Erscheinung. Während Anbieter in der außerklinischen Intensivpflege seit geraumer Zeit Intensiv- und Beatmungs-WGs etablieren, wächst auch die Zahl klassisch ambulant versorgter Wohngruppen. Mit sogenannten Demenz WGs, einer Versorgungsform für die gezielte Versorgung demenzkranker Menschen, nutzen klassische ambulante Pflegedienste die Chance der Spezialisierung in diesem Bereich. Die Primärerhebung der Datenanalysen von pflegemarkt.com zeigt eine dynamische Entwicklung, in der folgenden Analyse wird die Entwicklung im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen dargestellt.

Zu unterscheiden sind Wohngruppen, die anbieterseitig initiiert sind von bewohnerinitiierten Angeboten. Während durch Bewohner initiierte Wohngruppen in der Regel den Bewohnern die Wahl des Pflegedienstes freistellen, sind sie bei betreiberinitiierten Wohngruppen an den vorgegebenen Pflegedienst gebunden. Die genauen Regelungen, insbesondere die baurechtlichen Voraussetzungen sind förderal geregelt und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Von der Größe der Zimmer bis zur maximalen Kapazität der Wohngruppen weichen die landesspezifischen Regelungen teils stark ab.

Starke Konzentration von Demenz WGs im Norden NRWs

Im Bundesland Nordrhein-Westfalen sind ambulante Wohngruppenkonzepte durch das Wohn- und Teilhabegesetz (WTG) im Verbund mit dem Alten- und Pflegegesetz (APG) geregelt. So darf die Kapazität von Demenz WGs in Nordrhein-Westfalen maximal 12 Plätze nicht übersteigen und es dürfen in anbieterverantworteten Wohngemeinschaften ausschließlich Einzelzimmer angeboten werden, bei einer Übergangsfrist bis Ende 2023.

Bei der Betrachtung der insgesamt gut 200 in der Datenbank verzeichneten Standorte von Demenz-WGs in Nordrhein-Westfalen lohnt sich der Blick in den Norden des Bundeslandes. Dort weisen die Landkreise Steinfurt und Gütersloh die höchste Dichte an Plätzen in ganz NRW auf. Hochgerechnet auf die hochbetagte Bevölkerung zeigen beide Landkreise mit 288 Plätzen und 135 Plätzen je 10.000 Einwohner ab 85 Jahre eine Quote deutlich oberhalb des Landesschnitts. Auch die angrenzende Stadt Münster zeigt mit 230 Plätzen pro 10.000 Einwohner ab 85 eine hohe Quote. Der Landesschnitt in Nordrhein-Westfalen beträgt 45 Plätze je 10.000 Einwohner in der relevanten Zielgruppe ab 85 Jahre, insgesamt stehen in NRW derzeit rund 2.100 Plätze in Demenz-Wohngruppen zur Verfügung. Die nachfolgende Karte zeigt die Landkreise und Orte mit einer überdurchschnittlichen Quote der Demenz-WGs von mehr als 100 WG Plätzen je 10.000 Einwohner ab 85 Jahren.

Hohe Demez WG Quote in Dortmund und Köln, großes Potenzial in Duisburg

Ein besonderer Fokus der Analyse liegt auf den fünf größten Metropolen des Bundeslandes. Fast jeder Fünfte Einwohner Nordrhein-Westfalens lebt in den Städten Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Duisburg. In der Bevölkerungsgruppe ab 85 Jahre liegt der Anteil mit knapp 18 Prozent etwas niedriger. Die Auswertung der verfügbaren Plätze in Demenz-WGs in Relation zur Bevölkerung zeigt sich, dass in Düsseldorf (24 Plätze pro 10.000 Einwohner ab 85 Jahren) und insbesondere in Duisburg (6 Plätze pro 10.000 Einwohner ab 85 Jahren) noch ein hohes Potenzial besteht. Essen liegt mit 38 Plätzen pro 10.000 Einwohner ab 85 Jahren derweil nur deutlich näher am Landesdurchschnitt von 45 Plätzen je 10.000 Einwohner ab 85 Jahre, während in Dortmund (106 Plätze pro 10.000 Einwohner ab 85 Jahren) und Köln (63 Plätze pro 10.000 Einwohner ab 85 Jahren) eine überdurchschnittliche Quote festgestellt wurde.

Anbieter mit den meisten Demenz WGs

In den Metropolen Köln und Dortmund wurden je 15 und 17 Demenz WGs gezählt. Somit bietet Dortmund 156 demenziell veränderten Patienten die Möglichkeit in einer WG zu leben, während in Köln Platz für 145 Kunden besteht.

Der Dortmunder Pflegedienst Humanika ist in der Gegend sehr aktiv und verteilt seine fünf Standorte von Demenz-Wohngruppen mit insgesamt 51 Plätzen auf die Stadtgebiete von Dortmund und Essen. Neben Demenz-WGs bietet das Unternehmen auch Dienstleistungen im Segment der außerklinischen Intensivpflege und versorgt aktuell etwa 150 Patienten. Die ANW-Alter-nativ Wohnen GmbH & Co. NR. 13 KG beherbergt an vier Standorten insgesamt 43 Bewohner ebenfalls in Dortmund und Essen. In Düsseldorf werden indes die Hälfte der Wohngemeinschaften von der dortigen Diakonie betrieben. Insgesamt verteilen sich die WG Plätze in den fünf größten Städten Nordrhein-Westfalens auf 24 Anbieter, wobei nur 7 Unternehmen eine größere Kapazität als 20 Plätze bereitstellen.

Umland fängt Versorgungslücke etwas auf

Zwar ist der Bedarf in den fünf größten Städten bisher nur wenig bis gut gedeckt, allerdings ergibt sich bei der alleinigen Betrachtung der Metropolen ein nur unzureichendes Bild. Für eine umfassende Analyse muss auch das direkte Umland miteinbezogen und der Umstand bedacht werden, dass die fünf größten Städte NRWs alle in einem Umkreis von 100 Kilometern zueinander liegen und somit auch ein Austausch von demenziell erkrankten Menschen zwischen Städten und Dörfern vorstellbar ist. In der kleinen Ortschaft Odenthal nahe Köln befindet sich eine Demenz WG mit 14 Plätzen – bei gerade einmal rund 340 Einwohnern ab 85 Jahren. Eine ähnlich hohe Quote zeigt sich in Wermelskirchen (112 Plätze pro 10.000 Einwohner ab 85 Jahren), welches ebenfalls in der unmittelbaren Nähe zu Köln liegt.

Fazit

Demenz-WGs sind ein spannendes neues Segment in einem dynamisch wachsenden Markt der ambulanten Pflege. Neben der außerklinischen Intensivpflege zeigt der Bereich eine zunehmende Spezialisierung. Im Bundesland Nordrhein-Westfalen zeigt die aktuelle Versorgung deutlich Schwankungen – 3 der 5 größten Städte des Landes zeigen ein überproportionales Potenzial. Besonders auffällig zeigt sich der Norden Nordrhein-Westfalens – hier verdichtet sich die Anzahl der angebotenen Plätze pro Einwohner ab 85 Jahren.


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