Der jüngste Geschäftsführer der Pflegebranche im Interview

Der 21-jährige Kevin Bürzle ist laut Daten des Handelsregisters der jüngste Geschäftsführer eines Pflegedienstes. 2016 gründete er den Pflegedienst Hand in Hand Pflege Schwaben GmbH in Ulm. Pflegemarkt.com hat mit ihm über seinen Einstieg in die Branche, seine Pläne und die täglichen Herausforderungen seiner Position gesprochen.

Was hat Sie dazu bewogen in die Pflege einzusteigen?
Ich komme aus einer pflegerischen Familie. Meine Uroma war bereits in der Pflege aktiv und auch meine Mutter ist seit über 22 Jahren in der Pflege. Mein Onkel wiederum hat eine leichte Behinderung – alles in allem lag die Pflege also schon in meinem Blut.

Was war ihre bisher größte Herausforderung?
Jeder Tag ist eine Herausforderung. Es gibt immer wieder neue Dinge zu entdecken und Ideen, die sich einem erschließen. Persönlich empfinde ich aber das Durchsetzen gegen die Krankenkassen als größte Herausforderung.

Sind sie ausschließlich geschäftsführend tätig, oder haben sie auch bereits selbst pflegerische Tätigkeiten übernommen?
Ich habe eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen. 2016 habe ich den Pflegedienst gegründet.

Wie kam es dazu?
Für mich war es bereits in der Ausbildung klar, dass ich mich Selbständig machen werde. Während der Ausbildung hatte ich bereits Verantwortung für mehrere Mitarbeiter übernommen. Zusätzlich hatte ich die Möglichkeit während dieser Zeit bereits Einblicke in die Pflegebranche zu erhalten. Dabei habe ich viele Fehler erkannt, daher war für mich klar, dass ich mich hier Selbständige mache um diese Fehler zu beheben. Mein Firmengedanken ist Qualität vor Quantität.

Welche Aspekte schätzen sie persönlich besonders an der Pflege?
Jeder Patient ist anders und besonders. Es gibt immer eine Herausforderung die man bewältigen muss. Somit kehrt keine Routine ein, wie in der Industrie oder im Handel.

Wie kann man sich denn ihren typischen Arbeitsalltag vorstellen?
Einmal die Woche haben wir eine Teambesprechung, in der wir alle wichtigen Themen kommunizieren. Welche Veränderungen gibt es, was ist neu oder wichtig und all sowas. Aber natürlich bringt jeder Tag seine eigenen Herausforderungen mit sich. Wir sind sehr oft draußen bei unseren Patienten und Mitarbeitern und ich habe auch im Büro viele Termine. Es ist quasi ein Sieben-Tage-Job. Jeder Tag ist gänzlich anders.

Wurden Sie in ihrer Position schon einmal bezüglich ihres Alters angesprochen?
Ja – vor allem zur Firmengründung war das ein Thema. Aber sonst? Überhaupt nicht. Eher im Gegenteil: Das Wichtigste ist doch, dass man auf Augenhöhe miteinander sprechen kann. Das Alter ist nur eine Zahl; das Geistige zählt. Unabhängig vom Alter sollte man einander offen begegnen, dann merkt man auch ob man zusammen kann.

Welchen Grund haben ihre Mitbewerber neidisch auf Sie zu sein?
Neidisch? Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich finde man sollte jedem gönnen, wenn er geschafft hat sich etwas aufzubauen. Neid gehört meiner Ansicht nach nicht in den Geschäftsbereich. Wir haben zwar in den letzten zwei Jahren viel erreicht, aber ich will nicht, dass jemand neidisch auf mich ist. Ich mag das Wort einfach nicht. Es muss ein miteinander sein.

Empfinden Sie ihr Alter eher als Bereicherung oder als Hindernis?
Sowohl als auch. Natürlich bin ich sehr jung und packe viele Sachen anders an als Kollegen, die vielleicht einige Jahre älter sind. Wir sind hier im Unternehmen was das Alter angeht absolut bunt gemischt und da hat natürlich jeder einen Standpunkt. Aber genau das macht es am Ende ja auch aus. Um auf ihren Punkt zurück zu kommen: Ich betrachte das relativ neutral. Ich sehe das ganz entspannt und habe bisher wenig negative Erfahrungen diesbezüglich gemacht. Am Ende zählt die fachliche und persönliche Kompetenz und nicht das Alter.

Sie sind der jüngste Geschäftsführer in der Pflege – was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Ich will meinen Fokus demnächst vor allem auf das Case-Management legen. Aktuell haben alle ein Problem mit dem Pflegenotstand und der Überalterung. Das merken auch wir. Es gibt immer mehr Patienten und weniger Personal. In unser Case-Management investieren wir aktuell sehr viel Zeit und Geld. Wir bekommen massig Anrufe von Patienten, die auf der Suche nach einem Pflegedienst sind. Die können wir gar nicht alle bedienen. Unsere Mitarbeiter können sich ja auch nicht teilen. Wir haben aber ein großes und breites Netz an Kooperationspartner, welche wir dann alle anrufen und fragen, ob sie den Patienten aufnehmen können. Leider ist dies in den meisten Fällen nicht möglich. Hier kommt die neue Plattform, die ich aufbauen will, ins Spiel: Bei „PflegeSolution.de“, so heißt das Ganze, geht es um die Vermittlung. Die Pflegedienste können sich kostenlos bei uns anmelden und ihre Eckdaten eingeben: Wo pflege ich, was sind meine Schwerpunkte und Spezialisierungen und dergleichen. Wenn dann zum Beispiel das Case-Management eines Krankenhauses einen Patienten vermitteln wollen, geben sie in die Plattform die Eckdaten ein – Alter, Pflegeform und Ort. Je nachdem wie die Kriterien passen, werden die Pflegedienste dann informiert, dass ein neuer Patient nach Betreuung sucht. Dann können sich die Pflegedienste auf den Patienten bewerben. Damit können wir viele Ressourcen und Geld sparen.

Hätten Sie lieber mehr Erfolge oder wenige Niederlagen?
Aus der Niederlage wird ein Erfolg. Mit der Zeit lernt man nur aus Fehlern. Ich bin ja nicht „Bruce Allmächtig“! Wir können nicht von jetzt auf gleich alles perfekt machen. Fehler gehören zum Leben dazu. Ich habe in den letzten zwei Jahren auch viele Irrtümer begangen und ohne diese Fehler würde ich nicht dort stehen, wo ich heute bin.