Analyse der Neugründungen stationär: Spezialisierung auf dem Vormarsch

Der gesamte Pflegemarkt wächst wie kaum eine andere Branche in Deutschland. In der folgenden Analyse soll nun ein fokussierter Blick auf die Neugründungen der Pflegeheime der vergangenen zwei Jahre gelegt werden.

Die Auswertung der Neueröffnungen von Pflegeheimen zeigt einen bundesweiten Anstieg von rund 25.000 Pflegeplätzen. Insgesamt wurden 348 neue Pflegeheime vermerkt, deren durchschnittliche Platzzahl bei 73 Betten pro Einrichtung lag. Alles in Allem stieg die Kapazität in deutschen Pflegeheimen mit einer vollstationären Versorgung auf rund 880.000 Pflegeplätze an 11.600 Standorten. Die meisten Neugründungen von Pflegeheimen (170) wurden 2016 vermerkt, während die Zahl der Neueröffnungen 2017 mit 110 neuen Pflegeheimen deutlich darunter lag. Interessant ist jedoch, dass sich die durchschnittliche Bettenzahl in allen Jahren relativ gleichbleibend zeigte und keinen großen Schwankungen unterworfen war, was die Konjunkturunabhängigkeit des Pflegemarktes unterstreicht.

Korian und Diakonie stark

Das stärkste Wachstum im Auswertungszeitraum verzeichnete die Korian Gruppe – knapp 1.500 Plätze kamen bei dem Marktführer im privaten Sektor hinzu. Auffällig war, dass Korian insbesondere in den Neueröffnungen großer Häuser mit mehr als 100 Plätzen führend ist. Insgesamt eröffnete die Korian Gruppe 10 neue Häuser. Mit 9 Eröffnungen in den vergangenen 24 Monaten zeigt auch die Alloheim Gruppe ein starkes Wachstum.

Besonders das zweite Quartal 2016 konnte viele neue Pflegebetten verzeichnen, im Schnitt blieb die Größe der Einrichtungen über die Jahre jedoch gleich.

Unter den Gemeinnützigen, die etwa ein Drittel aller Neugründungen stellen, sticht die Diakonie hervor – in den neu eröffneten Einrichtungen der zum Verbund der diakonischen Träger gehörenden Unternehmen, entstanden über 1.200 Pflegeplätze in 20 Häusern.

Die meisten neuen Pflegeheime wurden naturgemäß in den einwohnerreichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen (61 neue Pflegeheime), Bayern (54), Baden-Württemberg (42) und Niedersachsen (48) registriert.  In Relation zur Bevölkerungszahl entstanden bundesweit 3 neue Pflegeplätze je 10.000 Einwohner – in Sachsen kamen mit fast 7 Plätzen je 10.000 Einwohner überdurchschnittlich viele neue Pflegeplätze hinzu. Auch das Wachstum in Niedersachsen liegt mit 4,5 Plätzen je 10.000 Einwohner deutlich über dem Schnitt.

Die meisten Pflegeheime wurden in den einwohnerstärksten Bundesländern gegründet, der Nordosten zeigt nur wenige Neugründungen.

Einzelzimmerquote macht sich auch bei Neugründungen bemerkbar

Vergleicht man die Bettenzahlen der Einrichtungen zum Zeitpunkt der Gründung mit den aktuellen Zahlen, zeigen sich trotz der vergleichsweise geringen Zeitspanne von zwei Jahren bereits erste Änderungen. Aufgrund der Einzelzimmerquote von 100 Prozent verzeichnet Baden-Württemberg die meisten Pflegeheime mit rückläufiger Bettenzahl. Nordrhein-Westfalen, ebenfalls von der Einzelzimmerquote – und einer geringeren Maximalgröße für Pflegeheime – betroffen, verzeichnet indes den größten Gesamtrückgang an Pflegebetten.

Die Analyse unterstreicht zudem den Trend der zunehmenden Spezialisierung der Einrichtungen. Nur 15 Prozent der neu entstandenen Pflegeheime zeigten Angebote nach klassischem Verständnis, fast jedes zehnte Pflegeheim bietet spezielle Plätze für demenziell erkrankte Patienten an. Auch Intensivpflege rückt vermehrt in den Fokus der Träger – jede 20. Einrichtung legt den Schwerpunkt auf Intensiv- und Beatmungspatienten.

Residenzkonzepte werden vermehrt gegründet

Neben dem Schwerpunkt auf spezialisierte Einrichtungen zeigt sich bei den neugegründeten Pflegeeinrichtungen zudem eine Tendenz zur Etablierung von Residenzkonzepten. Unter einem Residenzkonzept sind kleinere Einrichtungen mit hohen Qualitätsstandards sowie ergänzenden Angeboten, beispielsweise aus dem Segment des betreuten Wohnens und Tagespflege, zu verstehen. Zwar eröffneten große Betreiber wie Korian, die Domicil Senioren-Residenz Hamburg SE und Vitanas vereinzelt Häuser mit über 100 Betten, insgesamt bilden derart große Heime jedoch nur 20 Prozent aller Neueröffnungen. Die Tendenz zum Residenzkonzept ist stärker – 55 Prozent der neuen Einrichtungen weisen eine Kapazität von weniger als 80 Pflegeplätzen auf. Dies ist unter anderen auch mit den neuen baulichen Vorgaben einiger Bundesländer zu begründen. So dürfen zukünftig in Baden-Württemberg Häuser über 100 Plätze nicht mehr gebaut werden, in Nordrhein-Westfalen wird die Platzzahl sogar bei 80 gedeckelt.

Beim Blick auf die Kostensätze der neu eröffneten Pflegeheime zeichnet sich nun ein eindeutiges Bild: Die neuen Pflegeheime in Nordrhein-Westfalen bleiben weiterhin am kostenintensivsten, wenngleich die Kosten auch knapp 30 Euro unter dem Landesschnitt liegen. Auffallend ist, dass der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (eeE) der neuen Einrichtungen flächendeckend unterhalb des jeweiligen Landesdurchschnitts liegt.

Fazit

Die Betrachtung der neugegründeten Pflegeheime zeigt, dass der stationäre Bereich darum bemüht ist die wachsende Nachfrage nach Plätze zu erfüllen. Die neuen gesetzlichen Regelungen für Pflegeheime zeigen bereits erste Auswirkungen – spezialisierte Residenzkonzepte lösen großflächige Bettenburgen ab.


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