Einflussfaktoren für Kostensätze in Pflegeheimen – eine Analyse

Das Thema der Pflegeheimkosten ist und bleibt ein Dauerbrenner – jedes Jahr wird die Übersicht der neusten Kostensätze analysiert, welche in den letzten Jahren stetig gestiegen sind. Dabei können verschiedene Faktoren einen Einfluss auf die Kosten der Pflegeheime – und in welcher Höhe diese verhandelt werden können – nehmen. Im folgenden Artikel werden Ihnen einige Aspekte vorgestellt, welche auf die Kosten einwirken können.

Betrachtet man die Verteilung der einzelnen Kostensätze (einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (EEE). Unterkunft und Verpflegung (UuV) und Investitionskosten) nach Landkreisen, fallen zuweilen starke Unterschiede auf. So sind beispielsweise die Kosten für den EEE in Südwest Deutschland (und Berlin) tendenziell höher als im Rest des Landes. Die Kosten für Unterkunft und Versorgung sind durchschnittlich  ebenfalls eher gering, Nordrhein-Westfalen zeigt jedoch außergewöhnlich hohe Kostensätze für diesen Faktor. Bei den Investitionskosten selbst zeigt sich, dass diese insbesondere im Nordwesten des Landes überdurchschnittlich sind. Somit ergibt sich insbesondere für Nordrhein-Westfalen ein überdurchschnittlicher Gesamtkostensatz für Bewohner.

Regressionsanalyse Konstenfaktor Pflege - Anteil private Pflegeheime Deutschland nach Kreisen

Der Anteil privater Pflegeheime in den Kreisen ist zwar gleichmäßiger verteilt, dennoch zeigt sich auch hier eine leichte Konzentration im Nordwesten des Landes. Insbesondere die neuen Bundesländer verfügen noch immer über einen hohen Anteil gemeinnütziger oder kommunaler Pflegeheime.

Die Regressionsanalyse gilt als statistisches Verfahren zur Untersuchung von Beziehungen zwischen unterschiedlichen Variablen. Dabei wird aufgezeigt, wie sich die unabhängigen Variablen auf die abhängige Variable auswirken. Grundsätzlich wird die Regressionsanalyse dafür verwendet, Zusammenhänge in Daten zu beschreiben und zu analysieren. Die Ausprägung der einflussreichen Variablen wird dabei als Grundlage für die Prognosen verwendet. Regressionsanalysen werden zu den multivariaten Analysemethoden gezählt und in vielen verschiedenen Bereichen eingesetzt: Wissenschaft, Statistik, Finanzwesen und mittlerweile sogar im Online Marketing.

– Anmerkung der Redaktion

Um den Einfluss verschiedener Faktoren auf die Kostensätze von Pflegeheimen zu bestimmen, wurde eine Regressionsanalyse angewendet. Diese basiert auf der Datengrundgesamtheit von 11.447 Pflegeheimen mit vollstationärer Pflege innerhalb Deutschlands. Die Ergebnisse zeigen, wie sich die untersuchten Faktoren innerhalb bestimmter Landkreise und Gemeinden insbesondere auf die Höhe des einrichtungseinheitlichen Eigentanteils auswirken.

Bevölkerungsstruktur hat Auswirkungen auf den EEE

Die Regressionsanalyse erwies dabei bislang große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern in Abhängigkeit zu den analysierten Faktoren, was insbesondere auf die unterschiedliche Gesetzgebung und Regelung in den Ländern zurückzuführen ist. Beispielsweise weist das Saarland von allen Bundesländern die höchste Korrelation mit der abhängigen Variablen (EEE) auf. Aber auch Berlin und Brandenburg zeigten in der Analyse hohe Korrelationskoeffizienten. Im Gegensatz dazu steht Sachsen-Anhalt, welches in der Regressionsanalyse nur eine sehr schwache Abhängigkeit des EEE von den Faktoren demonstrierte. Durchgehend zeigten sich jedoch in allen Bundesländern signifikante Unterschiede in den Kosten für den einrichtungseinheitlichen Eigenanteil zwischen privaten und gemeinnützigen Pflegeheimen. Erwähnenswert: Je mehr private Pflegeheime im Kreis vorhanden waren, desto geringer die durchschnittlichen EEE-Kosten jener Heime. Die Kosten des EEE schrumpften ebenfalls je mehr Einwohner über 65 Jahren im Einzugsgebiet des Landkreises wohnten – in Landkreisen, in denen also der Anteil privater Pflegeheime überdurchschnittlich und in denen auch die Anzahl der älteren Einwohner überdurchschnittlich hoch war, erwies sich der Kostenfaktor des EEE als unterdurchschnittlich.

Im Durchschnitt ergab sich ein Kostenfaktor des EEE von 26,10€ pro Tag und Bewohner – auf Kreisebene betrachtet wies dabei der Landkreis Altenburger Land (Thüringen) mit durchschnittlichen EEE-Kosten von 9,60€ pro Tag und Bewohner den geringsten Durchschnittswert auf, während die der Landkreis Böblingen (Baden-Württemberg) mit 52,79€ pro Tag und Bewohner den höchsten Durchschnittswert in diesem Kostensektor verzeichnete.

Regressionsanalyse Konstenfaktor Pflege - Verteilung Durchschnittskosten Pflegeheime

Einen weiteren nachweisbaren Einfluss in der Analyse hat die Arbeitslosenquote. Stieg diese im Kreis, sank der durchschnittliche EEE besonders stark. Jeder zusätzliche Prozentpunkt der Arbeitslosenquote ließ den durchschnittlichen EEE-Satz pro Tag und Bewohner im Schnitt um 0,32 Euro sinken. Ausnahmen bildeten hier nur die Bundesländer Hessen, Berlin/Brandenburg und Rheinland-Pfalz.

Während die bisherigen Ergebnisse im Bezug auf den Kostenfaktor des einrichtungseinheitlichen Eigenanteils eher auf  die allgemeine Bevölkerungsstruktur des Kreises zurückzuführen sind (Anteil der Senioren und Erwerbslosen), sowie auf der Struktur der Pflegeheimlandschaft selbst (Anzahl der Pflegeheime und Verhältnis gemeinnützig zu privat), zeigt sich zudem ein weiterer elementarer Faktor für die Höhe des EEEs: Die allgemeine Gesundheitsversorgung im Kreis.

Gesundheitsversorgung im Kreis beeinflusst Kostensätze

Aus den Ergebnissen wird ersichtlich, dass die Anzahl der Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner im Bundesdurchschnitt auf den EEE einwirkt, welcher mit jedem zusätzlichen Bett weiter stieg. Gleichzeitig erhöhte sich der EEE im Bundesdurchschnitt auch mit jedem zusätzlichen Pflegeheim – Rheinland-Pfalz zeigte in diesem Zusammenhang zudem eine positive Abhängigkeit von der Anzahl an Kliniken. Zudem hatte eine große Anzahl an Rehakliniken überwiegend sinkende EEE-Kosten zur Folge – eine Beobachtung, die über alle Bundesländer hinweg wahrgenommen werden konnte.

Fazit

Auch wenn die Regressionsanalyse eindeutige Zusammenhänge zwischen den Faktoren und der Höhe des einrichtungseinheitlichen Eigenanteils aufweist, muss bedacht werden, dass die vorgestellten Faktoren nur mittelbaren Einfluss auf den EEE haben, welcher jedes Jahr von Pflegeheim und Pflegekasse verhandelt wird. So können die in diesem Text vorgestellten Variablen in der Grundgesamtheit jedoch einen messbaren Einfluss auf die Kostensätze generieren.


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