Start-Up-Interview: Media4Care GmbH

In der neusten Ausgabe der „Am Puls der Pflege“ ermittelte die Redaktion die Top 15 Start-Ups in der Pflege – im Rahmen des neuen Rankings führte die Redaktion zudem Interview mit zwei der in den Top 15 vertretenen Start-Ups – der Lindera GmbH und der Media4Care GmbH, beide mit Sitz in Berlin. Da beide Interviews aus redaktionellen Gründen nicht vollumfänglich im Magazin abgedruckt werden konnten, finden Sie das Interview mit der Media4Care GmbH hier in voller Länge auf unserer Webseite

Wie kamen Sie auf die Idee ein Tablet für Senioren zu entwickeln?

Engels: Die Idee zu Media4Care entstand durch meine persönliche Betroffenheit. Mein Großvater litt an Demenz und war Bewohner einer Pflegeeinrichtung in Stuttgart. Traurigerweise war die Demenz weit fortgeschritten, dass er kaum noch geliebte Menschen erkennen konnte. Bei einem meiner regelmäßigen Besuche, brachte ich Familienfotos mit und zeigte sie meinem Großvater auf dem Tablet. Trotz Einschränkungen und seiner Demenz war er sehr interessiert an dem Tablet. Daraufhin spielte ich mehr Inhalte auf das Tablet und ließ das Gerät zur Unterhaltung im Pflegeheim.  Basierend auf dem erlebten Interesse meines eigenen Großvaters und die gemeinsame Interaktionsmöglichkeit, entstand die Idee das Tablet speziell als Betreuungskompenente in Pflegeeinrichtungen zu integrieren. 

Was macht Ihr Produkt einzigartig?

Engels: Unser Tablet ist viel mehr, als nur ein Tablet. Es ist ein digitales Assistenzsystem, welches pflegebedürftige Senioren wieder zu mehr Selbstständigkeit verhilft. Herkömmliche Spiele für Tablets sind oftmals entweder zu kompliziert oder zu infantil. Wir haben den Fokus direkt auf Demenzerkrankungen gelegt. Daraufhin haben wir Spiele und Gedächtnisübungen entwickelt, um Erinnerungsarbeit und die mentale Fitness von Senioren zu gewährleisten und anzukurbeln. 

Tablets als digitales Assistenzsystem für Senioren (Bild: Media4Care)

Wer profitiert von Ihrem Produkt?

Engels: Schlicht und einfach gesagt: die gesamte Familie. Jeder, der einen geliebten Menschen, der an Demenz erkrankt ist, pflegt, weiß wie emotional die Situation sein kann. Wir wollen alle mitwirkenden Parteien vom Senioren, über das Pflegepersonal bis hin zu den Angehörigen mit unserem Assistenzsystem erreichen und unterstützen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, dass es im Alltag schwierig ist, immer die Zeit zu finden regelmäßig Besuche im Pflegeheim einzurichten. Deshalb haben wir natürlich auch eine sehr vereinfachte und seniorengerechte Chat- und Videocallfunktion eingerichtet, damit der Kommunikation nichts im Wege steht. 

Auf welche positive Veränderung, die Ihr Produkt ermöglicht, sind Sie besonders stolz?

Engels: Besonders stolz sind wir auf die allumfassende Lösung, die wir anbieten. Wir sind nicht dafür bestimmt die Krankheit an sich zu bekämpfen. Unser Ziel ist es an Demenz erkrankte Menschen ein neues Lebensgefühl zu schenken, ihnen mit unserem Tablet eine Möglichkeit zu bieten durch eine digitale Lösung die Verbindung zu der Familie zu geben und ihre geistige Fitness so lange es geht zu fördern und aufrechtzuerhalten. Darauf sind wir sehr stolz!

Wie schwer ist es den Anwendern Ihre Technologie näher zu bringen?

Engels: Wir haben seit Anbeginn immer eine sehr positive Resonanz erhalten in Bezug auf die seniorengerechte Software. Es erfordert natürlich eine gewisse Zeit alle Funktionen vorzustellen und zu erkunden. Aber genau darin liegt ja unsere Stärke: eine einfache Handhabung.

Was sehen Sie als bis dato größte Herausforderung als Startup in der Pflegebranchen?

Engels: Die größte Herausforderung ist die Kommunikation per se. Wenn es um die Pflege von Angehörigen geht, ist das ein sehr emotional aufgeladenes Thema. Unsere Aufgabe besteht darin ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Ist diese Vertrauensbasis entstanden, erkennen unsere Kunden sehr schnell welchen Mehrwert unser Produkt für die mentale Fitness ihrer Angehörigen generiert. 

Was war die schwierigste Klippe, die Sie als junges Unternehmen umschifft haben?

Engels: Die wohl schwierigste Klippe, die wir als Media4Care bis jetzt überwinden mussten, waren die Voraussetzungen vor Ort. Viele Pflegeheime verfügen über ein geringes flächendeckendes WLAN, sodass natürlich die Tablets mit allen Funktionen nicht richtig genutzt werden konnten. Gerade schwere Fälle von pflegebedürftigen Senioren, die leider nur noch bettlägerig waren, wurden dadurch ausgeschlossen. Dies inspirierte uns dazu unser Angebot weiterzuentwickeln. Unser Ziel war es sämtliche Inhalte auf handelsübliche Tablets vorzuinstallieren, um diese wiederum zu vermieten. Wir haben Anfangs die Tablets in sämtlichen regionale Elektrohändler nahezu leer gekauft und anschließend hunderte von Tablets in unseren Wohnungen über Nacht aufgeladen & vorinstalliert. Das war ein absoluter Wahnsinn!  Überall blinkten helle Display-Lichter. Zu alledem stellte uns dies jedoch wieder vor erhebliche logistische Herausforderungen in Bezug auf Lizenzierung und Vermarktung. Heute arbeiten wir mit starken Logistikpartnern zusammen, damit wir solchen Herausforderungen auch in Zukunft gewachsen sind. 

Media4Care Marc Engels (rechts im Bild)

Interviewpartner: Marc Engels (rechts)|Bild von media4care


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