Interview – Altersgerechtes Wohnen: mitunsleben GmbH

In Berlin gründete sich am 19. November 2018 unter dem Namen „mitunsleben“ ein StartUp aus 16 sozialen Gesellschaften. Ziel war es, das bundesweit Menschen, die Assistenz, Pflege oder Unterstützung benötigen, die am besten für Sie passenden Dienstleistungsangebote finden und leicht in Anspruch nehmen können. Zu den Gründungsgesellschaften zählte auch die Stiftung Liebenau – wir haben mit deren Vorstand, Dr. Markus Nachbaur über altersgerechtes Wohnen gesprochen.

Das Thema „Wohnen im Alter“ gewinnt zunehmend an gesellschaftlicher Bedeutung und die individuellen Bedürfnisse und Wünsche rücken dabei stärker denn je in den Fokus.  Wie wird die Sozialbranche diesen vielfältigen Ansprüchen gerecht?  Welche Herausforderungen sieht die Stiftung Liebenau in diesem Kontext und wie reagieren Sie darauf?

Markus Nachbaur: Der Wunsch nach selbstbestimmtem Älterwerden, nach Autonomie und eigenverantwortlichem Leben im Alter nehmen wir als Stiftung Liebenau sehr ernst. Wir beziehen daher die Betreuungs- und Pflegebedürftigen in alle Entscheidungsprozesse ein. Als Grundlage dafür dient unser Autonomie-Konzept, das für alle Wohnformen im Bereich der Altenhilfe gilt.

Zwar sind in der stationären Altenhilfe die Leistungen im Großen und Ganzen durch die Leistungsträger vorgegeben, dagegen gibt es im Bereich der ambulanten Wohnformen vielfältige Angebote. Hier hat sich glücklicherweise viel getan und wir können den Menschen – entsprechend deren Bedürfnissen und Wünschen – unterschiedliche Angebote unterbreiten. Dies sind zum Beispiel wohnortnahe Angebote und Versorgung, Service-Wohnen, Mehr-Generationen-Wohnen und betreute Wohnformen.

Neben den klassischen Wohn- und Pflegeheimen gibt es längst alternative Wohnformen wie Altendörfer und Co. So individuell wie wir altern, wollen wir auch im Alter leben. Wie finde ich (möglichst schnell und einfach) heraus, was ich im Alter benötige?

Nachbaur: So ungern sich viele mit der Zukunft oder einem Pflege-Szenario auseinandersetzen, so wichtig ist es doch genau dies frühzeitig zu tun.

Wenn ich selbst und aus freien Stücken darüber entscheiden kann, ob ich mein Zuhause umbauen lasse, auf lokale Pflegedienste zurückgreife oder in der Nähe meiner Kinder und Enkel sein möchte, dann ist das die beste Vorbereitung auf meinen Lebensabend. Daher ist es wichtig Entscheidungen zu treffen, so lange es mir gut geht. Das muss nicht mit Ende 40 sein, aber sich damit im Seniorenalter zu beschäftigen, ergibt durchaus Sinn.

Außerdem: Was ist, wenn ein Schlaganfall oder ein Unfall passieren und Pflege benötigt wird? Dann habe ich nicht immer die Möglichkeit, mir die Pflege- und Wohnform nach Gusto auszuwählen, sondern muss als Betroffener die Hilfe annehmen, die gerade verfügbar ist.

Das heißt: Wer sich früh genug mit dem Thema der Wohnformen und Wohnangebote auseinandersetzt sieht, zum einen, welche vielfältigen Möglichkeiten vorhanden sind und kann, zum anderen, für sich herausfiltern und auswählen, welches Angebot das stimmigste für einen ist. 

Wir erkennen jedenfalls einen Trend, der dahin geht, dass sich mehr Menschen präventiv mit der Frage „Wie möchte ich im Alter leben?“ beschäftigen. 

Wo und wie finde ich als Pflegesuchender das passende Angebot? Wie schaffen Anbieter Transparenz und unkomplizierten Zugang?

Nachbaur: Es herrscht eine große Nachfrage für altersgerechte Wohnformen. Die Kunst ist tatsächlich Angebote zu finden, die genau meinen Bedürfnissen entsprechen.

Die digitale Pflege-Plattform mitpflegeleben.de bietet zum Beispiel abseits von reinen Immobilien-Plattformen die Möglichkeit, gezielt Wohneinheiten (Pflegewohnen, barrierefreies Wohnen, Service-Wohnen etc.) zu veröffentlichen und die Plattform für die Vermarktung zu nutzen. Auch noch nicht fertiggestellte Bauprojekte können hier veröffentlicht werden.

Hilfreich bei der Vielzahl der unterschiedlichen Wohnformen ist u. a. die digitale Beratung „Robin“ auf mitpflegeleben.de. Interessierte können mithilfe der KI-basierten Beratung auswählen, was gewünscht bzw. gebraucht wird und erhalten eine entsprechende Auswahl an Angeboten, die den eigenen Kriterien entsprechen.

Wir als Stiftung Liebenau stehen als Gesellschafter von mitpflegeleben.de voll und ganz hinter der Plattform, denn ich weiß: Im Fokus von mitpflegeleben.de stehen die Pflegesuchenden. Das war uns von Anfang an wichtig. Wir möchten transparent und fair sein, sowie eine einfache Handhabung der Plattform gewährleisten.  Dies entspricht unserem gemeinnützigen Gedanken. Daher kann ich guten Gewissens sagen: Nutzen Sie als Wohnanbieter mitpflegeleben.de, um sich zu präsentieren und helfen Sie Pflegesuchenden beim Finden passgenauer Angebote

Was kann ich als Anbieter von Wohnkonzepten tun, um die richtigen Zielgruppen zu erreichen und damit die Vermarktung zu beschleunigen?

Nachbaur: Ganz wichtig ist eine zielgruppenspezifische Ansprache und Offenheit  gegenüber neuen digitalen Lösungen. Die Stiftung Liebenau hat sich ganz bewusst dazu entschieden, Gesellschafter der mitunsleben GmbH zu werden. Weil es in der Branche keine vergleichbare Plattform gab, haben wir gemeinsam mit den anderen Gründungsgesellschaftern die Dinge selbst in die Hand genommen und die  Plattform mitpflegeleben.de für die Branche entwickelt. Hier ist auch die Vermarktung von Wohnkonzepten möglich. Die Plattform ist für alle (private und gemeinwohlorientierte) Anbieter da.

Beim Service-Wohnen konkurrieren wir jedoch, anders als bei der stationären oder ambulanten Pflege, mit dem freien Immobilienmarkt. Daher ist es dort schwieriger Kunden zu finden. Die Kunden für z. B. Service-Wohnen beschäftigen sich präventiv mit dem Thema Pflege im Alter und haben oftmals klare Vorstellungen. Hier ist es als Anbieter entscheidend, die Besonderheiten bzw. speziellen Wohnkonzepte differenziert darzustellen.

Um eine gute Auslastung zu garantieren, was entscheidend ist, um in diesem Bereich wirtschaftlich zu agieren, müssen wir hier gezieltes Marketing betreiben.

Welche Wohnkonzepte sehen Sie als besonders zukunftsträchtig an?

Nachbaur: Wie gesagt geht der Trend dahin, sich präventiv und frühzeitig mit dem Thema Pflege und Wohnen im Alter zu beschäftigen. Es ist ein hohes Gut, wenn Menschen Dinge für sich selber entscheiden können und nicht durch plötzlich eintretende Pflegebedürftigkeit überrascht werden und dann die „erstbeste“ Einrichtung nehmen müssen. Den Lebensabend frühzeitig selbst zu lenken – darin sehe ich die Zukunft.

Wir haben aktuell ca. 600.000 altersgerechte Wohnungen in Deutschland. Im Jahr 2035 werden wir laut Statistik ca. 23.Mio Menschen über 64 Jahre haben. Wie kann man der wachsenden Nachfrage nach altersgerechten Wohnangeboten gerecht werden?

Nachbaur: Bei der Gestaltung von altersgerechtem Wohnen geht es nicht um die Frage nach einzelnen Wohnungen, sondern die Betrachtung des Quartiers im Ganzen. Denn die Umgebung der Wohnung ist ebenfalls entscheidend: Soziale Netzwerke sind für ältere Menschen wichtig.

Dort als Träger mit den Kommunen und weiteren Akteuren gemeinsam Lösungen zu entwickeln, um älteren Menschen einen Mehrwert für ihren Lebensraum und für das Quartier zu entwickeln, dafür stehen wir als Stiftung Liebenau. 


Interviewpartner: Dr. Markus Nachbaur, Vorstand der Stiftung Liebenau

Die mitunsleben GmbH wurde am 19. November 2018 durch 16 gemeinnützige Träger gegründet. Geschäftsführerin Cornelia Röper, die von Bill Gates persönlich mit dem Global Goalkeeper Award ausgezeichnet wurde, kennt sich sowohl in der IT Landschaft, als auch direkt im Aufbau großer sozial orientierter online Plattformen besten aus. Vor „mitunsleben“ hat sie die weltgrößte online Fragen und Antworten Plattform für Geflüchtete aufgebaut. Torsten Anstädt (48) verheiratet und Vater von 4 Kindern, ist seit April 2019 Geschäftsführer der mitunsleben GmbH, welche eine Online-Plattform konzipiert, die Menschen zu sozialen und pflegerischen Dienstleistungen informiert sowie Beratung und Vermittlung anbietet. Darüber hinaus ist er Ehrenamtliches Vorstandsmitglied bei der Stiftung Demenzpaten und engagiert sich für Demenz Technologie Projekte. Die Stiftung Liebenau ist Teil des Netzwerks.


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