Gesamtkostenanalyse stationär 2020 mit historischen Daten

Auch für das Jahr 2020 präsentiert Ihnen die Redaktion von pflegemarkt.com die Kostenanalyse der stationären Pflege. Um Ihnen einen deutschlandweiten Überblick über die unterschiedlichen Entwicklungen der Pflegeheimkosten geben zu können, haben wir die Kostensätze von rund 11.600 Pflegeheimen in den Bereichen einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (eeE), Investitionskosten (Invest) sowie Unterkunft und Verpflegung (UuV) analysiert.

Kostenanalyse Pflege 2020 - Durchschnittliche Gesamtkosten in Pflegeheimen je Bundesland

Infobox:
eeE: Der 2017 eingeführte einrichtungseinheitliche Eigenanteil (eeE) ist der Betrag der Zuzahlung pro Bewohner, der monatlich zuzüglich der Investitionskosten und der Aufwendungen für Unterkunft sowie Verpflegung an das Pflegeheim entrichtet werden muss.

Investkosten dienen zur Refinanzierung der anfallenden Kosten für Gebäude und Anlagen, deren Alter und Zustand sowie Baukosten und weitere Kosten in die Berechnung einfließen. Grundlage dieser Berechnung sind individuelle Bestimmungsfaktoren, die für große Differenzen bei der Höhe der Investitionskosten von Pflegeheimen sorgen.

UuV: Das Entgelt für Unterkunft und Verpflegung (sogenannte „Hotelkosten“) umfassen nach § 82 Abs. 1 Nr. 2 SGB XI insbesondere die Zubereitung und Bereitstellung von Speisen und Getränken, die Ver- und Entsorgung (Energie, Wasser, Abfall), die Reinigung aller Räumlichkeiten der Einrichtung, die Wartung und Unterhaltung der Gebäude, Einrichtung und Ausstattung, technischen Anlagen und Außenanlagen und die Bereitstellung, Instandhaltung und Reinigung der von der Einrichtung zur Verfügung gestellten Wäsche sowie die Reinigung der persönlichen Wäsche und Kleidung des Pflegebedürftigen.

– Die Redaktion

Deutschlandschnitt: Kosten für Pflegeheimbewohner steigen weiter

Bereits seit Einführung im Zuge des Pflegestärkungsgesetzes (PSG) II Anfang 2017 fällt das steigende Wachstum der einrichtungseinheitlichen Eigenanteils (eeE) deutlich ins Auge. Und auch dieses Jahr verzeichnet im Bundesschnitt vor allem der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (eeE) überproportional hohe Steigerungsraten, während die Kostensätze für Unterkunft und Verpflegung (UuV) sowie die Investkosten nur gering steigen, regional zuweilen sogar leicht rückläufig sind. Lag der Bundesschnitt des eeE 2019 noch bei monatlichen 741,03 € pro Bewohner und Monat, stieg dieser auf aktuell 825,29 € – das entspricht einem Anstieg von rund 11,4 Prozent.

Kostenanalyse Pflege 2020 - Steigerung des EEE im Vergleich

Eine weitaus geringere Steigerung verzeichnen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung – während Bewohner von Pflegeheimen 2019 im Bundesschnitt 696,92 € monatlich zahlen mussten, stiegen sie bis 2020 um knapp 3,4 Prozent auf insgesamt 757,15 € pro Monat und Bewohner und offenbaren somit eine etwa gleichbleibende Steigerungsrate im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Investkosten, welche in der Analyse des vergangenen Jahres noch kaum ein nennenswertes Wachstum belegen konnten, steigen von 2019 auf 2020 jedoch immerhin spürbar im Bundesschnitt von 432,57 € auf 452,35 € – das entspricht einer Zunahme des Bundesschnitts von 4,6 Prozent. Die Gesamtkosten pro Pflegeheim ergeben sich schließlich aus der Summe aller Teilkosten (eeE, Invest, UuV) – insgesamt ergibt sich somit ein durchschnittlicher Gesamtkostensatz von monatlich 2.034,79 € pro Bewohner im Bundesschnitt für 2020. Noch im Jahr 2019 wurden 1.906,32 € fällig – somit stiegen die Kosten im Bundesschnitt um 6,7 Prozent (Vorjahr: 6,2 Prozent).

Da diese Kosten von den Bewohnern der Pflegeeinrichtungen getragen werden müssen, lohnt ein Vergleich der Steigerung mit der Höhe der Rentenanpassungen, sowie der durchschnittlichen Inflation in Deutschland, um die Ergebnisse einordnen zu können.

Kostenanalyse Pflege 2020 - Rentenanpassung im Vergleich zu Kostensteigerung in Pflegeheimen

Betrachtet man die Steigerung der durchschnittlichen Pflegeheimkosten im Laufe der letzten drei Jahre (2018, 2019, 2020), fällt deutlich ins Auge, dass die Steigerung der Gesamtkosten deutlich höher ausfallen als die Anpassungen der Rente. So stiegen die Pflegeheimkosten von 2017 auf 2018 um 9,1 Prozent, während die Rentenanpassung nur 3,4 Prozent (Ost) und 3,2 Prozent (West) betrug. Selbst bereinigt um die Inflation von 1,8 Prozent überstieg der prozentuale Kostenanstieg im Jahr 2018 die Rentenangleichungen um fast das Doppelte. Im Jahr 2019 betrug die Kostensteigerung für Pflegeheime vergleichsweise geringe 6,2 Prozent, so dass sie sich mit der Rentenanpassung Ost (3,9 Prozent) und West (3,2 Prozent) unter Berücksichtigung der Inflationsrate (1,9 Prozent) beinahe anpasste. Zwar stieg die Rentenanpassung auch 2020 wieder – um 4,2 Prozent im Osten und 3,5 Prozent im Westen, doch auch die Pflegeheimkosten nahmen mit einer Steigerung von 6,7 Prozent wieder deutlich mehr zu und kann übersteigt somit auch unter der Berücksichtigung der Inflationsrate von 1,7 Prozent im Februar 2020 die Rentensteigerung erneut deutlich.

Thüringen mit höchstem Zuwachs an eeE

Auffällig bei der Steigerung der einzelnen Kostensätze im Bundesländervergleich zeigt sich vor allen Dingen der einrichtungseinheitliche Eigenanteil. Die größte Steigerung zeigten hier vor allem Thüringen mit einem Preisanstieg von fast einem Drittel und Sachsen (etwa 26 Prozent Preisanstieg). Beide Bundesländer verzeichneten auch bereits in der Kostenanalyse 2019 ein starkes Wachstum im Bereich des eeE im Vergleich zum Vorjahr. Auch in Mecklenburg-Vorpommern (26 Prozent) und Sachsen-Anhalt (24 Prozent) steigt der eeE stark, während er sich einzig in Berlin rückläufig (fast minus acht Prozent / im Vorjahr minus drei Prozent) zeigt.

Kostenanalyse Pflege 2020 - Kosten von Pflegeheimen nach Bundesland

Auch bei den Kosten für Unterkunft und Verpflegung zeigt sich, dass diese zwar weiterhin steigen – und das deutlich stärker als noch im Jahr zuvor. Während die Kosten für UuV 2019 in vielen Ländern im Vergleich zu 2018 rückläufig waren, steigen die Kosten 2020 wieder an.

Die Investkosten indes zeigen sich, im Gegensatz zum vergangenen Jahr, kaum rückläufig: Einzig und allein Bayern verzeichnete messbare Kostensenkungen. Den stärksten Anstieg an Investkosten verzeichnen indes Sachsen (Steigerung: 4,2 Prozent) und Mecklenburg (4,1 Prozent). Neben dem weiteren Rückgang der Investkosten in Bayern registrieren wir in dem Freistaat auch vergleichsweise wenig Neubauten im Pflegeheim-Sektor (12 Plätze im Bau je 10.000 Einwohner ab 75 Jahren / Bundesschnitt: 22,6) bei einem aktuellen Durchschnittsalter der Pflegeimmobilien von 50 Jahren.

Wenngleich jedoch der einrichtungseinheitliche Eigenanteil immer noch ein starkes Wachstum verzeichnet, so ist jedoch anzumerken, dass dies die geringste prozentuale Steigerung seit Einführung dieses Kostensatzes ist. Stieg der eeE von 2017 auf 2018 um etwa 13 Prozent und von 2018 auf 2019 sogar um fast 17 Prozent, zeigt sich mit der Steigerung von 2019 auf 2020 (11, 4 Prozent) doch ein merkbar rückläufiger Wert.

Private Einrichtungen günstiger für Bewohner

Doch nicht nur das Bundesland hat eine Auswirkung auf die Kostenentwicklung der analysierten Pflegeheime, auch die Trägerart beeinflusst zuweilen stark die veranschlagten Preise. So liegt der Kostenschnitt aller kommunalen Pflegeheime mit monatlichen Kosten von 2.217,31 Euro am höchsten. Ausgewertet wurden die Kostensätze von 270 der insgesamt 400 kommunal betriebenen Pflegeeinrichtungen am Stichtag 17.03..2020. Im Vergleich dazu betragen die die durchschnittlichen Kosten der 5.140 privaten Pflegeheime monatlich 1825,81 Euro. Von den insgesamt 6.160 gemeinnützigen Pflegeeinrichtungen konnten 5.050 Kostensätze analysiert werden, im Schnitt zahlen Bewohner in gemeinnützigen Einrichtungen monatlich 2.207,74 Euro. Zudem steigen die Kosten der gemeinnützigen Träger im Schnitt deutlich stärker, als dies bei den Privaten der Fall ist. Die Grafik zeigt hier insbesondere den vergleichsweise starken Anstieg der Investkosten und des eeE bei kommunalen Pflegeheimen (wenngleich diese weiterhin die geringsten Investkosten aufweisen), während diese bei Unterkunft und Verpflegung im Schnitt eine niedrigere Kostensteigerung verzeichnen.

Kostenanalyse Pflege 2020 - Kostenentwicklung nach Traegerart UuVKostenanalyse Pflege 2020 - Kostenentwicklung nach Traegerart InvestKostenanalyse Pflege 2020 - Kostenentwicklung nach Traegerart EEE

Regionale Unterschiede – neue Bundesländer mit höheren Kostensteigerungen

Betrachtet man die Steigerung der Gesamtkosten im Laufe der letzten vier Jahre (2017-2020) auf Bundeslandebene, fallen vor allem Berlin, Thüringen und Sachsen ins Auge. Während die Gesamtkosten in der Hauptstadt im Schnitt um gerade einmal zwei Prozent gestiegen sind, wächst Sachsen von allen Bundesländern am stärksten – seit 2017 stieg hier der Preis für die Bewohner um mehr als 61 Prozent an. Dennoch ist es im Bundesschnitt noch immer eines der Bundesländer mit den geringsten Pflegeheimkosten. Auch Thüringen, trotz des hohen Wachstums (wie fast alle neuen Bundesländer), bei den Durchschnittskosten nur im unteren Feld der Kostenpyramide mit. Die kostenintensivsten Pflegeheime befinden sich weiterhin in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Saarland und Baden-Württemberg. Die Kosten in diesen Bundesländern wuchsen zudem in den vergangenen Jahren um mehr als 30 Prozent. Ein ebenfalls sehr hohes Wachstum zeigt zudem Schleswig-Holstein, welches zwar in der Gesamtkostenanalyse noch unter Berlin rangiert, aber unter Berücksichtigung des aktuellen Kostenwachstums im Jahr 2021 wohl auch die Landeshauptstadt im Preissegment hinter sich lassen wird.

Kostenanalyse Pflege 2020 -Durchschnittliche Gesamtkosten in Pflegeheimen Deutschland

Fazit

Die Entwicklung der Kostensätze von Pflegeheimen über die vergangenen Monate zeigt eine teils starke Steigerung der Gesamtkosten. Auffällig ist insbesondere die weiterhin starke Zunahme der einrichtungseinheitlichen Eigenanteile, welche auch bereits in den letzten Jahren verzeichnet wurde, während andere Aufwendungen, wie die Kostensätze für Unterkunft und Verpflegung, nur geringfügig steigen. Eine Sonderstellung nehmen die Investkosten ein, die mancherorts sogar etwas sinken. Die größten Steigerungsraten zeigen die Häuser in den neuen Bundesländern, dennoch liegen die Gesamtkosten in den neuen Bundesländern auch im Jahr 2020 unter dem Bundesschnitt.


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