Pflegebedarfsprognose: Hoher Bedarf an teilstationärer Pflege

Deutschland diskutiert über das Thema Pflege – schließlich wird die Bevölkerung immer älter und somit steigt auch der Bedarf an professioneller Versorgung. Dabei zeigen sich jedoch zuweilen gänzlich unterschiedliche Ausprägungen im Bundesvergleich. Die folgende Analyse befasst sich auf Grundlage von historischen Daten mit einer Pflegebedarfsprognose für 2030.

Um eine verlässliche Prognose für die Pflege im Jahr 2030 aufstellen zu können, betrachteten die Analysten von pflegemarkt.com die Daten des statistischen Bundesamtes aus den Jahren 2011 bis 2017 auf Landkreisebene, um aus diesen historischen Daten die bisherige und somit mögliche zukünftige Entwicklung ableiten zu können. Die zu Grunde liegende Prognose wurde für diesen Artikel bis zum Jahr 2030 hochgerechnet. Die Pflegequote spiegelt dabei den prozentualen Anteil der Pflegebedürftigen im Vergleich zu der Einwohnerzahl gesamt wider. Für Informationen zur Dauerpflegequote und Auslastung auf Landkreisebene wurden die letzten bekannten Werte des statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2016/2017 zu Rate gezogen. Um den Bedarf für betreutes Wohnen zu bestimmen, betrachtet diese Analyse vor allem die Bevölkerung ab 65 Jahren. Die Analysten von pflegemarkt.com rechnen mit einem konservativ geschätzten Bedarf zwischen 1,5 und 2,0 Prozent in der Bevölkerung ab 65 Jahren.

Pflegebedarfsprognose - Bevölkerungswachstum Deutschland 2020 auf 2030

Starkes prozentuales Wachsutm der Einwohner über 65 Jahren in Hessen

Bei Betrachtung des prozentualen Wachstums der Bevölkerung über 65 von 2020 auf 2030 zeigt sich besonders Hessen mit einem starken, prozentualen Wachstum – während der Durchschnitt der Bundesländer bei 12,8 Prozent liegt, erreicht Hessen ein erwartbares prozentuales Wachstum von 18,5 Prozent in der Bevölkerung ab 65 Jahren. Bemerkenswert ist zudem, dass das geringste prozentuale Wachstum in der Bevölkerung über 65 in den neuen Bundesländern zu erwarten ist, namentlich in Thüringen (4,6 Prozent), Sachsen-Anhalt (4,8 Prozent), Sachsen (5,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (6,3 Prozent). Brandenburg weist mit 12,4 Prozent zwar eine deutlich höhere Steigerungsrate auf, liegt aber noch immer unter Bundesschnitt. Dieses geringe prozentuale Wachstum ist vermutlich mit dem Umstand zu erklären, dass die Bevölkerung in den neuen Bundesländern im Vergleich zum Bundesschnitt bereits jetzt überaltert ist und somit prozentual nur wenig neue Einwohner in den nächsten zehn Jahren ein Alter über 65 Jahren erreichen.

Zeitgleich zeigt sich die Versorgungsstruktur in den neuen Bundesländern überwiegend ambulantisierte und teilstationär, wie ein Blick auf die Heimquote (der Anteil der in Heimen vollstationär versorgten Pflegebedürftigen) zeigt. Werden in den alten Bundesländern im Schnitt 30,2 Prozent der Pflegebedürftigen vollstationär versorgt, liegt dieser Anteil in den neuen Bundesländern bei gerade einmal 28,1 Prozent. Die höchste Heimquote stellt indes Schleswig-Holstein – hier werden aktuell mehr als 39 Prozent aller Pflegebedürftigen in Heimen versorgt. Diese Tatsache ist vor allem Dingen unter dem Aspekt bemerkenswert, dass die prognostizierte Anzahl Pflegebedürftiger mit Bedarf an vollstationärer Pflege für das Jahr 2030 in Schleswig-Holstein unter der Anzahl der bereits 2020 vorhandenen vollstationären Platzzahl liegt . Dies liegt zum einem am unterdurchschnittlichen prozentualen Wachstum der Pflegebedürftigen bis 2030 in Schleswig-Holstein (13,4 Prozent bei einem Bundesschnitt von 17,8 Prozent) und zum anderen an der immer stärker werdenden Ambulantisierung, die mit betreuten Wohnen und ambulanten Pflegediensten die aktuelle Heimquote voraussichtlich senken werden.

Pflegebedarfsprognose fällt unterschiedlich aus

Pflegebedarfsprognose - Bedarf vollstationäre Pflege bis 2030

Insgesamt zeigen im Bereich der vollstationären Pflege einige Bundesländer eine geringere prognostizierte Anzahl an vollstationären Pflegebedürftigen, als im jeweiligen Land Pflegeheimplätze vorhanden sind. Auch Bayern, Niedersachsen, Thüringen, das Saarland und die Hansestadt Bremen zeigen einen solchen Effekt – bei Bremen ist dies sehr ausgeprägt, doch auch hier liegt das prozentuale Wachstum der Einwohner über 65 und der Pflegebedürftigen weit unter dem Bundesschnitt. Zeitgleich zeigen sich starke Bedürfnisse nach vollstationärer Pflege in Berlin (16,4 Prozent mehr Plätze werden hier benötigt), Sachsen-Anhalt (9,1 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (7,8 Prozent). Zudem dürfen Sie sich von den Prognosen einzelner, bereits jetzt gut versorgter Bundesländer nicht irritieren lassen: Insgesamt benötigt die Bundesrepublik, auf ganz Deutschland gerechnet, innerhalb der nächsten zehn Jahre rund 27.500 zusätzliche, vollstationäre Pflegeplätze. Zudem gelten auch für die Bundesländer mit einer negativen Prognose bezüglich der benötigten weiteren Plätze auch geografische Unterschiede – so können hier einige Landkreise überversorgt sein und weitere Landkreise dennoch mehr Pflegeplätze benötigen.

Während sich im Bereich der vollstationären Plätze regionale zuweilen stark unterschiedliche Pflegebedarfsprognosen ergeben, zeigen die Prognosen für den teilstationären Bereich in jedem Bundesland einen gesteigerten Bedarf, wenn auch in unterschiedlicher Schwere. Besonders hoch zeigt sich der Bedarf in der Tagespflege – Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg benötigen ein Wachstum an Plätzen für Tagespflege von mehr als 23 Prozent. Der Bedarf für betreutes Wohnen indes ist vor allem in Rheinland-Pfalz und Hamburg hoch – hier wird ein Wachstum um mehr als 21 Prozent benötigt.

Fazit

Die Pflegebedarfsprognose zeigt sich für Deutschland in den verschiedenen Bundesländern und Segmenten als sehr unterschiedlich. Zur genauen Bestimmung des Bedarfs müssen verschiedene Faktoren beachtet werden, deren Ergebnis jedoch eindeutig ist – zwar fehlen noch immer an vielen Stellen im Land vollstationäre Pflegeplätze, aber gerade im Bereich der teilstationären Versorgung zeigt sich mit Blick auf die aktuelle Versorgungslage und in Hinsicht auf die Entwicklung bis 2030 ein hoher Bedarf über alle Bundesländer hinweg.


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