„Patient.Plus“-Anbieter Vitabook muss Insolvenz anmelden

Vitabook, der Anbieter des Online-Gesundheitskontos „Patient.Plus“, hat Insolvenzantrag gestellt. Vor allem rechtliche Auseinandersetzungen mit Facebook und Google sollen dazu beigetragen haben, wie es heißt.

Das in Jesteburg bei Hamburg ansässige Unternehmen hat Ende Oktober 2020 beim Amtsgericht Tostedt einen Insolvenzantrag gestellt. Zuerst berichtete das Branchenportal Apotheke Adhoc über den Insolvenzantrag.

Schon im Jahr 2017 veräußerte Vitabook Teile seiner Software mit einem Sell-and-Lease-Back-Vertrag dem Bericht zufolge, um Liquiditätsprobleme zu vermeiden. Doch Aufgrund von Rechtsstreitigkeiten mit Facebook und Google geriet Vitabook in Schieflage. Facebook ging gegen Vitabook vor dem Europäischen Patentgericht wegen der Verletzung der Trademark vor und konnte sich dort durchsetzen. Deshalb hätte Vitabook sämtliche grafische Komponenten der eigenen Marke kurzfristig ändern müssen.

Im Rechtsstreit mit Google zeigte sich Vitabook zwar erfolgreich, was die Insolvenz jedoch nicht mehr verhindern konnte. Google hatte zuvor die Vitabook-App „Patient.Plus“ aus dem Hauseigenen App-Store entfernt, nachdem die App um verschiedene Funktionalitäten im Kampf gegen die Corona-Pandemie erweitert worden war. Ein Vorgehen, welches Google als Verstoß gegen die eigenen Richtlinien wertete.

Vitabook konnte am Oberlandesgericht Köln eine einstweilige Verfügung gegen Google erwirken. Da aufgrund der anhaltenden Coronakrise das Gerichtsurteil jedoch erst zwei Monate später in Irland zugestellt werden konnte, bliebt „Patient.Plus“ insgesamt vier Monate aus dem Appstore verschwunden. Der fehelende Umsatz und die weiter laufenden Kosten forderten ihren Tribut: Im Oktober drückte die Schuldenlast so sehr, dass Vitabook nicht mehr zahlungsfähig war und Insolvenzantrag stellen musste.