Analyse: Demenzpflege in Deutschland

Aktuell leben in Deutschland rund 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Laut Zahlen der deutschen Alzheimerstiftung könnten es bis 2030 insgesamt drei Millionen sein. Die folgende Analyse zeigt die aktuelle Versorgungsstruktur und den Bedarf an spezifischer Pflege für demenziell veränderte Menschen.

Laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft gilt in den westlichen Ländern die Alzheimer-Krankheit als häufigste Ursache einer Demenz. Ihr Anteil wird auf mindestens zwei Drittel der Krankheitsfälle geschätzt. Besonders auf den höheren Altersstufen sind Mischformen aus verschieden-artigen neurodegenerativen und vaskulären Krankheitsprozessen die Regel.

Verteilung der Demenzversorgung

Die Wahrscheinlichkeit an Demenz zu erkranken steigt mit steigendem Lebensalter an.

Demenzpatienten werden in Deutschland in der Regel ambulant durch Pflegedienste, vollstationär in Pflegeheimen oder teilstationär in Demenz-Wohngemeinschaften versorgt. 3.800 Pflegedienste bieten Dienstleistungen in diesem Bereich an, oder haben sich unter anderem auf Demenzpflege spezialisiert, was rund einem Viertel aller ambulanten Dienste entspricht. Bei den Pflegeheimen hat sich rund jede fünfte stationäre Einrichtung auf Demenz spezialisiert oder bietet zumindest einen eigenen Bereich für demenziell veränderte Patienten an (2.275 Heime). Im Bereich der Wohngemeinschaften zeigt sich eine deutlich stärkere Tendenz zur Spezialisierung – mit 42 Prozent konzentriert sich beinahe die Hälfte aller Wohngemeinschaften auf die Versorgung von Demenzpatienten.

Zeitgleich werden Wohngemeinschaften mit Demenzspezialisierung überwiegend von privaten Anbietern betrieben (60 Prozent). Bei Pflegediensten und Pflegeheimen (54 Prozent) ist die vorherrschenden Markstellung der privaten Betreiber nicht ganz so stark auszumachen. Zeitgleich nehmen gemeinnützige Pflegedienste einen überraschend hohen Anteil der, auf Demenzpflege spezialisierten, Anbieter ein, insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, dass private Anbieter sonst rund 69 Prozent aller Pflegedienste ausmachen.

Wohlfahrtsverbände bei Demenzpflege führend

In der Demenzpflege zeigen sich, über alle Segmente hinweg, vor allen Dingen die Wohlfahrtsverbände als stärkste Kraft. Danach folgen laut Daten von pflegemarkt.com im Bereich der ambulanten Pflege die RENAFAN GmbH aus Berlin, sowie die Augustinum gemeinnützige GmbH. Auffällig hierbei ist, dass beide Unternehmen zu den Top 15 Diensten ihrer Branche gehören. Die meisten Pflegeheime mit Demenzspezialisierung bieten, nach den Wohlfahrtsträgern, Kursana, Alloheim und Pro Seniore an – auch diese Anbieter gehören zu den Top 30 Pflegeheimbetreibern 2019. Im Bereich der Wohngemeinschaften für Demenzpatienten verfügt die ANW-ALTER-nativ Wohnen GmbH & Co. Nr. 13 KG über die meisten Standorte, dicht gefolgt von den Wohlfahrtsverbänden. Doch auch die Bremer Heimstiftung und die Pflegestation Meyer & Kratzsch verfügen über eines der größten Angebote an Demenz-WGs in diesem Ranking.

Bei Betrachtung der Verteilung von Demenzpatienten in der Bevölkerung ab 75 Jahren (siehe Grafik 1) ist besonders der geringe prozentuale Anteil in Mecklenburg-Vorpommern auffällig. Hier sind nur 17,4 Prozent aller Einwohner ab 75 Jahren an Demenz erkrankt. Dies entspricht 2,2 Prozent an Demenzkranken an der Gesamtbevölkerung von Mecklenburg-Vorpommern. Einen besonders hohen Anteil an Demenzpatienten im Vergleich zur Bevölkerung ab 75 Jahren zeigt indes Hessen – 18,3 Prozent aller Einwohner ab 75 Jahren sind hier an demenziellen Veränderungen erkrankt. Dies unterstreicht das große Potential für auf Demenz spezialisierte Anbieter in dieser Region. Den höchsten Anteil an Demenzpatienten in der Bevölkerung ab 75 Jahren zeigen indes jedoch die Stadtstaaten Berlin (18,3 Prozent), Bremen (18,4 Prozent) und Hamburg (18,5 Prozent). Den Großteil der Demenzpatienten stellen dabei Frauen (66 Prozent). Dennoch übersteigen diese Schwankungen nicht den bekannten Schwankungen laut deutscher Alzheimer Gesellschaft. Nach derzeitigem Kenntnisstand scheinen die Gemeinsamkeiten, laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft, größer als die Unterschiede zu sein. Für den World Alzheimer Report wurden Inzidenzdaten aus allen Teilen der Welt zusammengetragen. Nach Standardisierung für Alter und Geschlecht schwankten die jährlichen Inzidenzraten in einem engen Bereich zwischen 13,5 und 18,4 neuen Krankheitsfällen pro 1.000 Personen in der Bevölkerung über 60.

Mehr als jede zehnte Neugründung auf Demenz spezialisiert

Rund ein Viertel aller Pflegedienste hat sich auf Demenzerkrankungen spezialisiert, davon sind etwas mehr als die Hälfte private Unternehmen

Bei Betrachtung der Neugründungen im Bereich Demenzpflege (siehe Grafik 2) zeigt sich, dass im ersten Halbjahr 2019 insgesamt 24 Demenzpflegedienste neu gegründet wurden, das entspricht in etwa 12 Prozent aller ambulanten Neugründungen in diesem Zeitraum. Bei den stationären Einrichtungen eröffnete ein Pflegeheim mit Demenzabteilung, von insgesamt 17 Pflegeheimeröffnungen insgesamt. Laut Bauradar sind zudem 36 Pflegeheime mit Demenzspezialisierung im Bau oder in Planung, was rund 10 Prozent aller in der Bauphase befindlichen Pflegeheimen entspricht. Mit 72 im Bau und in Planung befindlichen Wohngemeinschaften für Demenzpatienten sticht der teilstationäre Sektor hier hervor – dies entspricht immerhin rund einem Viertel aller Neubauten in diesem Sektor. Somit ergibt sich bei den, auf Demenz spezialisierten, Pflegediensten ein prognostiziertes Wachstum von 2,6 Prozent, Pflegeheime mit Demenzspezialisierungen nehmen bis zum Jahresende um 1,6 Prozent zu, während das Wachstum der Demenz-WGs bis Ende 2019 auf rund 8,4 Prozent geschätzt werden kann.

Fazit

Da die Wahrscheinlichkeit an Demenz zu erkranken mit dem Alter zunimmt und immer mehr Menschen immer länger leben, wächst auf die Zahl der Demenzpatienten rasant. Laut Robert-Koch-Institut sind demenzielle Erkrankungen sogar die häufigste Ursache für Pflegebedürftigkeit; bei den über 80-Jährigen machen sie einen Anteil von mehr als 35 % aus. Aktuell werden rund zwei Drittel aller Demenzkranken zu Hause von Angehörigen versorgt. Zudem sind rund zwei Drittel der Heimbewohner in vollstationären Pflegeeinrichtungen laut Daten der AOK mittlerweile demenzkrank. Die zunehmende Zahl an Neubauten, Gründungen und Eröffnungen von auf Demenz spezialisierten Anbietern zeigen hier einen positiven Trend zu mehr Pflegemöglichkeiten und Entlastung von Angehörigen. Somit bietet die Demenzpflege weiterhin viele Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten.


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