Die Top 25 Pflegeheimbetreiber in Europa 2020

„Le soin est francaise,“ hieß es bereits im vergangenen Jahr im Ranking der größten Betreiber in Europa – und die Pflege bleibt auch in diesem Jahr weiterhin in französischer Hand. Wie sich der Markt im Vergleich zu 2018 verändert hat und welche neuen Tore die Top-Betreiber auf europäischer Ebene aufgestoßen haben, erfahren Sie im heutigen Artikel zu den größten Pflegeheimbetreibern in Europa.

Gut Ding will Weile haben, „on ne fait pas les affaires en courant“, wie der Franzose sagt. Diesen Wahlspruch scheinen sich die größten Pflegeheimbetreiber zu Herzen genommen zu haben – welche sich in diesem Jahr beinahe ausschließlich aus französischen Betreibern zusammensetzen. Deutsche Betreiber, wie die im vergangenen Jahr auf Platz 5 gelegene Alloheim Gruppe sucht man dieses Jahr vergeblich in der Liste der Top 5 Betreiber in Europa – und auch der englische Betreiber HC-One, der 2018 noch Platz vier belegte, wurde von Colisée vertrieben, welche im vergangenen Jahr noch auf Platz 13 lagen.

Die Top 25 Pflegeheimbetreiber Europa 2020

Korian weiter auf Platz 1

Weiterhin ungeschlagen auf Platz 1 darf sich Korian als größter Pflegeheimbetreiber in Europa sehen – und das mit einem starken Wachstum von 6,58 Prozent (von 76.000 Pflegebetten auf 81.000 Pflegebetten) im Vergleich zum Vorjahr. Und nicht nur in der Gesamtrechnung belegt Korian den ersten Platz – auch in Deutschland ist das französische Unternehmen Marktführer. Gleiches gilt für Belgien und Heimatland Frankreich – in Italien belegt Korian den zweiten Platz der größten Pflegeheimbetreiber und schaffte in diesem Jahr auch noch den Markteintritt in Spanien und den Niederlanden. Und damit schafft sich Korian eine starke Marktstellung in einem absoluten Wachstumsmarkt: Im Jahr 2035 sollen in Frankreich 1,8-mal so viele Menschen über 80 Jahren leben, wie noch 2015. Deutschland und Belgien müssen mit dem Faktor 1,7 rechnen – Italien immerhin noch mit dem Faktor 1,6.

Um diesen Markt weiterhin bestmöglich zu versorgen will Korian laut eigenen Angaben bis 2023 die Hälfte seiner Anlagen renovieren – zudem sind weitere Pflegeheime und andere Anlagen im Bau und in Planung – allein fünf neue Pflegeheime und vier betreute Wohnanlagen in Deutschland. Geplant sei bis 2021 über 150.000 Kunden in betreuten Wohnanlagen, sowie ambulanter und vollstationärer Pflege zu versorgen.

Orpea plant starkes Wachstum

Orpea bleibt weiterhin auf dem zweiten Platz der größten Betreiber – holt jedoch deutlich auf und ist laut Unternehmenszahlen Korian dicht auf den Fersen. Mit einem Wachstum von 8,38 Prozent (73.158 Betten auf 79.289 Betten) wuchs Orpea sogar noch ein gutes Stück stärker als der Klassenprimus. Dabei vertraut Orpea auf Einrichtungen in Deutschland, Polen, der Tschechei, Österreich, Italien, der Schweiz, Spanien, Portugal, Luxemburg, Belgien und natürlich Frankreich. Auch außerhalb Europas zeigt sich der französische Betreiber aktiv – mit 19 Standorten in Lateinamerika (2.852 Betten) und einem Pflegeheim (140 Betten) in China, ist Orpea weltweit aktiv.

Zudem befinden sich laut Unternehmensangaben zusätzliche 17.388 Betten im Bau oder in Planung, so dass Orpea zukünftig auf mehr als 96.600 Betten anwachsen soll. Zudem bemühte sich Orpea bereits seit 2018 um den Eintritt in den russischen Markt, nun wurde ein operatives Joint Ventures mit russischen und französischen Staatsfonds (RDIF und BPI) gegründet. Im September erfolgte die endgültige Zustimmung des Bürgermeisters von Moskau zur Errichtung einer SRH-Klinik in Skolkovo mit Immobilienfinanzierung durch das Rathaus.

DomusVi auch außerhalb Europas aktiv

Eine Sonderstellung in diesem Ranking nimmt der dritte Platz der größten Pflegeheimbetreiber in Europa ein – die DomusVi Gruppe liegt zwar mit 36.000 Betten in 335 Pflegeheimen mit einem weiten Abstand auf dem dritten Platz in Europa, verfügt Weltweit aber mit 350 Pflegeheimen und 55.000 Kunden in sechs Ländern über eine noch weitaus größere Zielgruppe. Mit mehr als 35.000 Angestellten und 35jähriger Erfahrung verfügt DomusVi über eine große Markterfahrung. Erst Ende Oktober wurde die Ernennung von Sylvain Rabuel, 48, zum Leiter der Gruppe bekannt gegeben. 

Colisée katapultiert sich in die Top 5

Der größte Newcomer des Jahres ist jedoch zweifelsohne die Französische Colisée. Diese übernahm Anfang des Jahres die aus Balen stammende Pflegeheim-Gruppe Armonéa und avancierte somit zum viertgrößten Anbieter von Seniorenbetreuung in Europa. Die Gerüchte über eine mögliche Übernahme von Armonéa waren, so die Webseite madeinkempen.be, schon einige Zeit laut gewesen. Grundlage dafür war der Ausstieg von Frédéric de Mévius als Vorsitzender und Gesellschafter von Verlinvest, dem Partner von Palmyra Brands (Familie Van den Brande) innerhalb von Armonéa. Beide brachten 2008 ihre Altersheimaktivitäten zusammen.

In Deutschland ist Colisée über die zu Armonéa gehörende DPUW vertreten, in Belgien ist Armonéa sogar direkt hinter Korian der größte Anbieter für Pflegeheime. Insgesamt wuchs Colisée durch die Übernahme um mehr als 191 Prozent (9.263 Pflegebetten im Jahr 2018 auf nunmehr 27.000 Plätze).

HC-One, im Jahr zuvor noch auf Platz vier wurde von Colisée auf Platz fünf vertrieben und zeigt von den fünf größten Betreibern aktuell das geringste Wachstum. 2018 erwarb HC-One noch mehr als 8.900 Betten vom englischen Betreiber BUPA und löste damit diesen als größten Pflegeheimbetreiber in England ab. Aktuell scheint sich das Unternehmen vor allem auf die Eingliederung der übernommenen Angebote zu konzentrieren und wuchs dieses Jahr somit nur um 7 Pflegeheime.

Top 5 Betreiber Europa Wachstum 2018 zu 2019

Fazit

Insgesamt zeigt sich auch in diesem Jahr eine starke Marktstellung französischer Pflegeheimanbieter, die mit der Übernahme von Armonéa durch Colisée und dem so entstandenen Verbund ein weiteres Mitglied in die Top 5 aufnehmen und so den bisher einzigen deutschen Vertreter von den obersten Plätzen verweisen konnte. Das weitere geplante Wachstum von Orpea könnte zudem in einigen Jahren den bisher größten Pflegeheimbetreiber Europas, Korian, vom Thron stoßen.


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