Fast drei Jahrzehnte lang hat die Primus-Concept-Gruppe Pflegeheime und Wohnimmobilien gebaut. Jetzt ist die Dachholding aus München insolvent. Das Amtsgericht hat am Freitag Hubert Ampferl zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. „Die Holding hat sich bisher überwiegend über Umlagen finanziert“, sagte Ampferl in einer ersten Diagnose dem Handelsblatt, das als erstes über die Insolvenz berichtete. Nachdem die Ertragskraft der Gruppe nachgelassen habe, sei das Geschäftsmodell nicht mehr tragfähig gewesen.

Primus Concept habe in der Vergangenheit Projekte für mehr als 110 Millionen Euro realisiert und ein Volumen von 240 Millionen Euro in der Pipeline, heißt es auf Crowdfunding-Webseiten. Eine Überprüfung ist aufgrund der zersplitterten Konzernstruktur schwierig. Hinter der mehr als 80 Firmen umfassenden Gruppe steht der bayerische Unternehmer Werner Schilcher aus Markt Indersdorf. Er hat die komplexe Struktur aufgebaut und als Vorstand der Holding auch den Insolvenzantrag gestellt.

Die PRIMUS Concept Unternehmensgruppe ist ein Münchner Projektentwickler und Bauträger mit langjähriger Expertise im Bereich der Anlageimmobilien. Das 1992 als Spezialvertrieb gegründete Unternehmen erkannte, laut eigener Aussage, frühzeitig die Notwendigkeit eines eigenen Produktportfolios im Immobilienbereich. PRIMUS Concept konzentriert sich zunehmend auf Seniorenimmobilien wie Pflegeheime, Seniorenresidenzen und Wohnanlagen für Betreutes Wohnen.

Auf der Website des Unternehmens werden die Beteiligungen an Seniorenresidenzen in Bad Meinberg, Bayreuth (bereits verkauft), Unterammergau (bereits verkauft), Kehl (verkauft), Schloss Fellheim (verkauft), Prüm (verkauft), Bad Wörishofen (verkauft), Aldingen (weitgehend verkauft), Vierkirchen (verkauft) und Steißlingen (weitgehend verkauft) genannt.

Primus Concept – Statement Insolvenzverwalter und Geschäftsführer Werner Schlicher

„Alle Immobilienprojekte sind in Schwester- oder Tochtergesellschaften verortet, bei denen Herr Schilcher im Rahmen der GmbH und Co.-Struktur Geschäftsführer ist. Die Gesellschaften sind im Übrigen alle individuell finanziert und hängen nicht mit anderen Projekten zusammen“, so Rechtsanwalt Ampferl gegenüber Merkur.de.

Werner Schlicher, Geschäftsführer der Dachholding und aller Tochterunternehmen gab Merkur.de ebenfalls einen Kommmentar zum Thema: „Die allgemeine Marktentwicklung seit 2020, die Streichung von KfW-Fördergeldern, die Zinssteigerungen und die immer geringer werdende Bereitschaft der Banken, mit uns zusammenzuarbeiten“ hätten zur Insolvenz geführt. „In diesem Umfeld kann man dann nichts mehr verkaufen.“

Auch ein Generalunternehmer, der für Primus vier Baustellen betreut hatte, ging in Konkurs. Der Schaden gehe in die Millionen.

Geschäftsführer Schlicher sieht eine wesentliche Ursache für die Insolvenz in der Entwicklung des Pflegeheimmarktes, der laut Primus “katastrophal” sei. Laut Schilcher seien mehrere Betreiber von Pflegeheimen, die Mietverträge mit der Primus hatten, in Konkurs gegangen. Ein Beispiel ist das Pflegezentrum Esterhofen, das die Primus einst gekauft hatte. Die Einrichtung in der Gemeinde Vierkirchen muss im September 2022 schließen, nachdem der Betreiber, die Firma Paradia, zahlungsunfähig geworden ist. Eine Übersicht der aktuellen Healthcare Objekte der Primus Concept Holding finden Sie im Folgenden:

Healthcare-Portfolio der insolventen Primus Concept Holding

wdt_ID Ort Sektor Status
1 Aldingen Pflege Sanierung
2 Bad Schussenried Pflege Neubau
3 Bad Wörishofen Pflege Sanierung
4 Bayreuth Pflege Neubau
5 Bindlach Pflege Bestand
6 Chiemgau Pflege Neubau
7 Gunzenhausen Pflege Neubau
8 Horn-Bad Meinberg Pflege Sanierung
9 Kehl-Kork Pflege Neubau & Sanierung
10 Leonberg Pflege Sanierung
Ort Sektor Status