Ambulantisierung der Pflegeheimbetreiber

Ambulantisierung der Top20 Betreiber – Private Pflegeheimbetreiber setzen zunehmend auf Tagespflege

Der Trend zur Ambulantisierung im deutschen Pflegemarkt nimmt weiter Fahrt auf – nahezu alle Pflegeheimbetreiber aus der Liste der größten 20 Pflegeheimketten betreiben aktuell Pflegedienste und Tagespflegen. Während das Kerngeschäft der stationären Pflege zwischen 2013 und 2015 mit 2,5 Prozent nur moderat gewachsen ist, nahm die Zahl ambulanter Pflegedienste im gleichen Zeitraum um zwölf Prozent zu. Das größte Wachstum erfuhr der Bereich der Tagespflege, hier stieg die Zahl der Plätze um 18 Prozent.

Gemeinnützige Pflegeheimketten sind bereits ambulant. Die Privaten Betreiber rüsten nach

Die Auswertung von 400 Pflegeheimketten sowohl privater als auch gemeinnütziger Träger ergab folgendes Bild. Aktuell besteht das Durchschnittsportfolio eines gemeinnützigen Pflegeheimbetreibers zu 64 Prozent aus Pflegeheimen und zu 35 Prozent aus Pflegediensten. Weniger als ein Prozent betreibt zusätzlich eine Tagespflege. Die durchschnittliche Unternehmensausrichtung eines privaten Pflegeheimbetreibers unterscheidet sich davon stark. 84 Prozent entfallen dabei auf Pflegeheime, 15 Prozent auf Pflegedienste und fünf Prozent auf die Tagespflege. Auffallend sind besonders die Unterschiede bezüglich des ambulanten und des teilstationären Versorgungsangebotes.

Ambulantisierung: Pflegeheimbetreiber mit ambulanten Pflegediensten

Die Top20 Betreiber investieren massiv in Tagespflege

Unter den Top 20 Pflegeheimbetreibern verfügen 18 Unternehmen bereits heute über Standorte ambulanter Pflegedienste. Bemerkenswert ist die Entwicklung der Tagespflegeangebote dieser Unternehmen. Während im vergangenen Jahr nur acht Betreiber Tagespflegeangebote führten, sind es nun bereits 15 Unternehmen. Insbesondere der private Sektor, der sich lange auf das Kerngeschäft der Pflegeheime und die Konsolidierung dieses Marktes fokussiert hat, ergänzt sein Portfolio zunehmend um bereichsübergreifende Angebote. Gleichzeitig treiben auch die gemeinnützige Träger wie beispielsweise die Diakonien, Johanniter, Malteser, Arbeiterwohlfahrtsverbände, DRK und andere, die bereits traditionell die drei Bereiche im Pflegemarkt bedienen, die Ambulantisierung voran.

Ambulantisierung der TOP 20 Pflegeheimträger

Bestes Beispiel ist der AWO Bezirksverband Westliches Westfalen, der mit 60 Standorten von Pflegeheimen zu den Top 20 Pflegeheimbetreibern zählt und seine Angebote im ambulanten und teilstationären Bereich deutlich erweitern konnte. Neben 18 Standorten ambulanter Pflegedienste betreibt der Verband 34 Tagespflegeeinrichtungen. Auch die zentral aufgestellte evangelische Heimstiftung ist neben den 84 Standorten stationärer Pflegeeinrichtungen mit 35 ambulanten Diensten und 22 Tagespflegen aktiv und eines der Schwergewichte im Pflegemarkt. Das größte Wachstum unter den privaten Trägern verzeichnet die französische Orpea Gruppe. Zu den 123 stationären Einrichtungen betreibt der Konzern aktuell 33 Standorte von Tagespflegeinrichtungen – kein anderer privater Betreiber kann mehr Standorte ausweisen.

Ambulantisierung: Pflegeheimbetreiber mit Tagespflegen

PSG2 befeuert ambulant vor stationär und lässt Ambulantisierung Realität werden

Die klassische Einteilung in die Segmente ambulant, stationär und teilstationär ist immer seltener anzutreffen. Singuläre Angebote werden zunehmend durch übergreifende Dienstleistungen ergänzt. Dies führt dazu, dass sich sowohl die Organisationen als auch die Dienstleister der Branchen neu orientieren müssen. Führungskräfte, Pflegesoftware oder Dienstleister müssen alle drei Bereiche abdecken und Einzelanforderungen bewältigen können. Ambulant vor stationär wird Realität und das PSG 2 gibt weitere Anreize ambulante Konzepte in bestehende Strukturen einzubauen. Signale zum weiteren Ausbau setzen beispielsweise die DOMICIL Senioren-Residenzen Hamburg SE, die eine Tagespflege in Ahrensburg (Schleswig-Holstein) plant oder die K & S – Dr. Krantz Sozialbau und Betreuung SE & Co. KG, die aktuell vier weitere Tagespflegeeinrichtungen in Dresden, Rodgau, Zwickau und Leipzig im Bau hat. Mit Eröffnung dieser Standorte erhöht sich das Unternehmensportfolio auf insgesamt sechs Tagespflegen. Auch die ARMONEA-Gruppe, die erst kürzlich die DPUW Deutsche Pflege und Wohnen übernommen hat, eröffnete im Februar 2017 ihre erste Tagespflegeeinrichtung.

Fazit

Die Pflegeheimanbieter sowohl mit privater als auch gemeinnütziger Trägerschaft dringen weiter in den ambulanten und teilstationären Pflegemarkt vor. Während die gemeinnützigen Pflegeheimbetreiber im ambulanten Pflegebereich schon sehr präsent sind, sind es vor allem die private Pflegeheimanbieter die teilstationäre Pflege in Form von Tagespflege anbieten. Der bereits im März 2016 analysierte Trend der Portfolioerweiterung von Pflegeheimbetreibern um Pflegedienste und Tagespflege setzt sich fort. Ambulantisierung und damit der politische Wille ambulant vor stationär wird Realität.

Grad der Ambulantisierung nach Art der Träger

Für die Auswertung wurden die Daten von 400 privaten und gemeinnützigen Trägern in Deutschland ausgewertet. Die Liste der 400 größten Pflegeheimbetreiber können Sie gegen eine Schutzgebühr bei der Redaktion von pflegemarkt.com erwerben. Die Übersicht wird permanent aktualisiert und beinhaltet auch die momentanen Entwicklungen im stationären Pflegemarkt, z.B. den Erwerb der Margarethenhof-Einrichtungen durch DOREA und basiert auf unserer Datenbank, die die Standortprofile aller Pflegeunternehmen aus den Bereichen ambulante Pflegedienste, Pflegeheime sowie Tagespflege enthält.


Die 400 größten Pflegeheimbetreiber

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