Betreutes Wohnen – Marktüberblick

Betreutes Wohnen als eine der Wohnformen im Alter für Senioren neben der klassischen Pflegeheimunterbringung oder ambulanter Betreuung zuhause gewinnt vor allem zu Gunsten der Erhaltung der Selbstständigkeit der Bewohner in einem altersgerechten, privaten Umfeld zunehmend an Attraktivität. Dieses Konzept ermöglicht zudem, weitere Dienstleistungen und Betreuungsangebote in Anspruch zu nehmen, die die individuelle Sicherheit und damit Lebensqualität von Senioren maßgeblich erhöhen.
Als ein Teilbereich aus der offenen Altenhilfe kann Betreutes Wohnen für Senioren innerhalb der eigenen Wohnung oder als eine Wohnform organisiert sein, die an eine ambulante oder stationäre Einrichtung organisatorisch oder baulich angeschlossen ist.

 

Anbieter Betreutes Wohnen

Aus einer Analyse von 4.246 Einrichtungen, welche Betreutes Wohnen anbieten, geht hervor, dass etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent bzw. 2.265 Einrichtungen) an ein stationäres Pflegeheim angegliedert sind. Rund 47 Prozent (1.981) werden im Rahmen eines ambulanten Pflegedienstes betrieben. Bezüglich der Trägerschaft kann festgestellt werden, dass circa 53 Prozent der Einrichtungen mit Betreutem Wohnen einer freigemeinnützigen Trägerschaft angehören, 43 Prozent in privater Hand sind und lediglich 4 Prozent einen kommunalen Träger im Hintergrund haben.
Regional auffällig dabei ist, dass besonders in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern die freigemeinnützige Trägerschaftsform mit knapp 70 Prozent vorherrschend ist.

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In den Stadtstaaten Bremen und Berlin dominieren hingegen private Träger, wie beispielsweise die Bremer Heimstiftung oder die AHB Ambulanter Hauspflegeverbund Bremen GmbH & Co. KG in Bremen oder die RENAFAN GmbH bzw. die Pflegewerk Managementgesellschaft mbH in der Hauptstadt. Bremen weist dabei mit 76 Prozent den höchsten Anteil privater Einrichtungen auf. Im Gegensatz dazu hält in Hamburg die Vereinigte Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft eG den alleinigen Anteil an den kommunalen Einrichtungen.

Regionale Angebotsverteilung Betreutes Wohnen

In der regionalen Angebotsstruktur sind weiterhin deutliche Unterschiede sichtbar. In den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Bremen existieren die meisten Einrichtungen mit Betreutem Wohnen in Bezug auf die Über-65-Jährigen der Bevölkerung. Allein in Mecklenburg-Vorpommern gibt es 50 Pflegeinstitutionen mit Betreutem Wohnen pro 100.000 Einwohner über 65, davon sind 36 innerhalb eines ambulanten Pflegedienstes organisiert und 14 an ein klassisches Pflegeheim angegliedert. Das Angebot in Brandenburg mit 41 Standorten teilt sich hälftig auf in stationäre und ambulante Pflegeanbieter. In Baden-Württemberg, Brandenburg und Bremen gibt es die Kombination des Betreuten Wohnens am häufigsten zusammen mit einem Pflegeheim. Die Bundesländer mit dem noch geringsten Angebot an Betreutem Wohnen sind Hessen und das Saarland.

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Betrachtet man die inhaltliche Ausrichtung der Pflegedienste und Pflegeheime, die diese Wohnform anbieten, fällt auf, dass davon circa 20 Einrichtungen einen gerontopsychiatrischen Schwerpunkt haben sowie 26 Anbieter ebenfalls in der Intensiv und Beatmungspflege, auch Intensiv Betreutes Wohnen genannt, tätig sind. Weitere sechs Pflegeheime haben sich auf Demenzerkrankte spezialisiert, 4 Einrichtungen bieten Wachkoma-Pflege an.

Betreutes Wohnen Kosten

Betreutes Wohnen kann grundsätzlich in unterschiedlicher vertraglicher Form ausgestaltet sein. Es bestehen die Möglichkeiten der Miete oder des Kaufs, welche beide generell den zeitlichen und regionalen Marktgegebenheiten unterliegen. Beim Kauf trägt der Mieter selbst die Kosten, wohingegen bei Miete Themen wie geförderter Wohnraum, Wohngeld oder Wohnberechtigungsscheine mitbetrachtet werden können. Die Kosten für zusätzliche Leistungen wie Pflege, Betreuung, Verwaltungs- und Reinigungsdienste, Botengänge etc. hängen von den individuellen Konditionen des Anbieters ab und variieren stark von Region zu Region.

Betreutes Wohnen Voraussetzung

Betreutes Wohnen ist durch eine Reihe an Kriterien gekennzeichnet. Eine Notfallbereitschaft bei Tag und Nacht, gemeinsame Veranstaltungen oder kulturelle Angebote, Serviceleistungen wie Reinigung, Wäsche, Essen und die Nutzung von Gemeinschaftsräumen sowie Verwaltungsdienstleistungen stellen Betreuungsgrundleistungen dar. Zusätzliche Angebote wie Fahr- und Begleitdienste und ambulante Pflegeleistungen können ebenso Gegenstand des Betreuten Wohnens oder auch Service-Wohnens sein, insbesondere dann, wenn ein stationärer oder ambulanter Träger physisch oder organisatorisch angegliedert ist. Auf dem Markt gibt es ebenso einige Anbieter, die die Inanspruchnahme von Betreuungsangeboten wie Pflege und weitere Dienstleistungen einkalkulieren, d. h. eine Pflege- oder Hilfsbedürftigkeit Ist Voraussetzung für die Aufnahme im betreutem Wohnen oder Service Wohnen.

Betreutes Wohnen Gesetzliche Grundlage

Betreutes Wohnen als eine Form des seniorengerechten Wohnens ist bis heute keine gesetzlich eindeutig definierte Wohnform und ist in der Regel immer zwischen Heimrecht und Inanspruchnahme von Pflegeleistungen nach dem Sozialgesetzbuch abzugrenzen. Einrichtungen die Betreutes Wohnen anbieten, bestehen aus normalen aber barrierefreien Wohnungen und müssen die Bestimmungen des Mietrechtes bzw. anderer Verbraucherschutzvorschriften wie beispielsweise das Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz (WBVG) einhalten. Eine Einrichtung im Sinne eines Pflegeheimes wird erst dann als solches bezeichnet, wenn sie neben den oben genannten Leistungen weitere Leistungen für die Bewohner verpflichtend zu Abnahme machen sowie bauliche Merkmale eines Heime, wie z.B. keine abschließbare Eingangstür oder separate Postkästen vorhalten und demzufolge ab diesem Moment unter das Heimrecht fallen.

Liste Betreutes Wohnen

Anbieter von Betreutem Wohnen sind nicht registriert, wie es Anbieter von Pflegeheime oder Pflegediensten sind, die beide mittels einer IK-Nummer eindeutig identifizierbar sind. Betreute Wohnanlagen werden in der Regel von einem ambulanten oder stationären Anbieter betrieben und können so zugeordnet werden. Die vorliegende Analyse basiert auf der Liste des Betreuten Wohnens, abgerufen aus der Pflegedatenbank 2017, die die pm pflegemarkt.com GmbH seit drei Jahren systematisch generiert und auswertet. Die Daten können in Form einer Excel-Liste erworben werden.

Fazit

Der Markt des Betreuten Wohnens bzw. Service Wohnens wird sowohl von ambulanten als auch stationären Leistungserbingern angeboten. Als ein nicht registrierungspflichtiges Unternehmensmodell auf Basis einer fehlenden eindeutigen Gesetzesgrundlage birgt dieser offene, intransparente Markt hohe Wachstumschancen. Gerade in ländlichen Regionen, in denen die Sicherstellung von medizinischen Leistungen sowie demografisch- und arbeitsmarktbedingte Abwanderung in Städte heute und zukünftig zu diskutierende Themen darstellen, hat Betreutes Wohnen ein enormes Potenzial den steigenden Bedarf an Betreuung und Wohnen der alternden Bevölkerung zu decken. Dies spiegelt sich auch in der Ambulantisierung der stationären Pflegeeinrichtungen wieder, die derzeit den Pflegesektor massiv beeinflusst.

 

Definitionen – Was ist Betreutes Wohnen und Service Wohnen?

Als Betreutes Wohnen wird eine Wohnform bezeichnet, die es Menschen mit besonderen Bedürfnissen ermöglicht eigenständig zu leben und je nach individuellem Bedarf Betreuungs-, Pflege-, und weitere Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.
Die Abgrenzung zum Service Wohnen besteht darin, dass die Bewohner nicht unbedingt pflege- und hilfsbedürftig sind und die Angebote frei buchen können. Es kommt teilweise zu Irritationen, da Anbieter ihre Angebote es je nach Ausrichtung sowohl als Betreutes Wohnen als auch als Service Wohnen bezeichnen.

Quellenangaben


Liste der Pflegeheime mit betreutem Wohnen

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