Marktanalyse Tagespflege

In Deutschland werden gegenwärtig rund 5.050 Tagespflegen mit etwa 75.300 Plätzen betrieben. Für Ende des Jahres 2020 kann nach aktuellen Zahlen über Neugründungen und Neubauten von rund 5.330 Tagespflegen mit etwa 80.450 Plätzen ausgegangen werden. Wie sich die Tagespflegelandschaft in Deutschland sonst zeigt, erfahren Sie in unserer Analyse.

Marktanalyse Tagespflege Entwicklung

Die Tagespflege zählt in Deutschland zu den teilstationären Angeboten, die älteren Menschen die Möglichkeit bietet, tagsüber betreut zu werden und zu Hause wohnen bleiben zu können. Rund ein Fünftel aller Tagespflegen ist dabei in ein teilstationäres Quartierskonzept mit betreutem Wohnen eingebunden. Ambulante Tagespflegen stellen etwa ein Drittel aller Tagespflegen in Deutschland. Die verbleibenden rund 43 Prozent befinden sich im Verbund mit stationären Angeboten. Solitäre Tagespflegen gibt es in Deutschland kaum. Eine Tagespflegestätte kann in der Regel sowohl täglich als auch nur an einzelnen Wochentagen besucht werden. Einige Einrichtungen sind auch samstags und mitunter an Feiertagen geöffnet. Dieser besondere Charakter der Tagespflege eröffnet die Möglichkeit, mehr Kunden zu versorgen, als Plätze in der Einrichtung zur Verfügung stehen, da manche Senioren nur am Wochenende, andere wiederum nur unter der Woche oder nur an einzelnen Tagen die Dienste der Tagespflege in Anspruch nehmen. So weist die amtliche Pflegestatistik 2017 bei 66.484 Tagespflegeplätzen eine Auslastung von 155,8 Prozent aus – die vollstationäre Dauerpflege ist nach der amtlichen Statistik nur zu 90,4 Prozent ausgelastet.

Starker Boom dank PWG und PSG I

Marktanalyse Tagespflege Entwicklung Tagespflegeplätze

Die hohe Auslastung der Tagespflege zeigt den großen Stellenwert, den die Tagespflege in Deutschland einnimmt. Der Boom der Tagespflegen begann im Jahr 2008, in dem das Pflegewohngeld (PWG) eingeführt wurde. Seit der Pflegereform waren Pflegebedürftige, die teilstationäre Pflege in Anspruch nahmen, dadurch privilegiert, dass ihnen auch bei voller Inanspruchnahme des Leistungsbudgets noch mindestens 50 Prozent der Sachleistungen oder des Pflegegeldes zur Verfügung standen. Nahmen sie die Leistungen der Tagespflege nach dem PWG nur zu 50 Prozent in Anspruch, blieb der volle Sachleistungsanspruch bzw. der volle Pflegegeldanspruch erhalten. War von 1999 bis 2007 die Zahl der Tagespflegeplätze um 62 Prozent gestiegen, so betrug der Anstieg von 2007 bis 2015 138 Prozent (von 21.600 auf 51.400 Tagespflegeplätze). Mit der Einführung des Pflegestärkungsgesetzes I (PSG I), das 100 Prozent Sachleistung für die Tagespflege ermöglichte, wurde das Wachstum weiter angetrieben, sodass die Zahl der Tagespflegeplätze in den vergangenen vier Jahren nochmals um gut 47 Prozent auf fast 75.350 Plätze stieg. Insgesamt nahm die Zahl der Tagespflegeplätze so in den vergangenen zwanzig Jahren um fast 470 Prozent zu. Für das Jahr 2029 kann unter Berücksichtigung aktueller Bauprojekte und der bisherigen Steigerungsrate von knapp 130.000 Tagespflegeplätzen ausgegangen werden.

Tagespflege im Nordosten besonders stark

Marktanalyse Tagespflege Plätze pro 10000 Einwohner Bundesland

Insbesondere im Nordosten der Republik zeigt sich ein besonderer Fokus auf den Bereich der Tagespflege – in Mecklenburg-Vorpommern kommen etwa 179 Tagespflegeplätze auf 10.000 Einwohner ab 75 Jahren. Auch Thüringen (134 Plätze) und Brandenburg (133 Plätze) zeigen überdurchschnittlich hohe Versorgungsquoten.

Demgegenüber ist die Versorgungsquote im Süden Deutschlands deutlich geringer. Ausbaufähig zeigt sich hier vor allem Rheinland-Pfalz (58 Tagespflegeplätze pro 10.000 Einwohner ab 75 Jahren). Auch Bayern (64 Plätze), Nordrhein-Westfalen (63 Plätze) und Hessen (61 Plätze) liegen unter dem Bundesdurchschnitt. Besonders deutlich fallen Berlin (52 Plätze) und Hamburg (50 Plätze) ab.

Neubauten schließen Versorgungslücken

Auch bei Betrachtung der Neubauten zeigt sich das Potenzial der Tagespflege. Besonders viele neue Tagespflegeplätze entstehen in Thüringen (14 Tagespflegeplätze pro 10.000 Einwohner ab 75 Jahren) und Baden-Württemberg (11 Plätze). Auffallend ist, dass die durchschnittliche Platzzahl der in Bau und in Planung befindlichen Tagespflegen mit 18,5 Plätzen deutlich über dem bisherigen Mittelwert von 14 Plätzen pro Tagespflege liegt. Weiterhin unterdurchschnittlich bleiben bei den Tagespflegen derweil Hessen (4 Plätze pro 10.000 Einwohner ab 75 Jahren),sowie Berlin (3 Plätze) und Hamburg (2 Plätze). Interessant ist hierbei, dass Tagespflegen oft im Verbund mit betreuten Wohnanlagen entstehen. Auch die Zahl der Neugründungen für das Jahr 2018 unterstreicht den Tagespflegeboom – 2018 wurden rund 431 Tagespflegen mit mehr als 6.000 Plätzen neu eröffnet. Dem standen etwa 250 Schließungen mit etwa 3.500 Plätzen gegenüber.

Versorgungsstruktur in den größten Städten Deutschlands

Marktanalyse Tagespflege Plätze in den größten Städten

Der geschilderte Trend spiegelt sich in der Versorgung in den zehn größten Städten Deutschlands wider. Hier belegt Leipzig (92 Tagespflegeplätze pro 10.000 Einwohner ab 75 Jahren) mit weitem Abstand den ersten Platz, den zweiten Platz belegt Stuttgart mit 60 Plätzen. Das größte Potenzial zeigen dagegen München und Köln, wo weniger als 30 Tagespflegeplätze pro 10.000 Einwohner ab 75 Jahren zur Verfügung stehen.

Fazit

Seit 2008 herrscht ein regelrechter Tagespflegeboom in Deutschland. Unterstützt vom Pflegewohngeld im Jahr 2008 und dem Pflegestärkungsgesetz I im Jahr 2015 zeigt die Tagespflege ein enormes Wachstum, das voraussichtlich zunächst anhalten wird. Die Veränderung möchte die Bundesregierung stützen, indem die Tagespflege verstärkt gefördert wird. Dieser Ansatz folgt dem Grundsatz der Ambulantisierung des Gesundheitswesens („ambulant vor stationär“). Der Anstieg der durchschnittlichen Zahl der Tagespflegeplätze erklärt sich aus dem oft anzutreffenden Verbund einer neuen Tagespflege mit einer betreuten Wohnanlage in einem gemeinsamen Quartierskonzept.


Liste der Tagespflegeeinrichtungen

2950€ einmalig | zzgl. USt.
    • 4.500 Standorte von Tagespflegeeinrichtungen
    • vertriebsorientierte Aufbereitung
    • Unterscheidung ambulant & stationär
    • inkl. Kontaktdaten im Excel-Format