In Zeiten eines stetig wachsenden Bedarfs an Pflegeleistungen stehen Gesundheitssysteme weltweit vor der Herausforderung, dem steigenden Personalbedarf gerecht zu werden. Mit einer zunehmenden Anzahl älterer Menschen und einer wachsenden Pflegebedürftigkeit wird der Mangel an qualifizierten Pflegekräften immer spürbarer. Engpässe in der Personalbesetzung führen auch zu einer hohen Belastung der vorhandenen Pflegekräfte. In diesem Kontext gewinnen innovative Konzepte und Lösungsansätze in der Pflegepraxis an Bedeutung. Während bisher häufig Pflegeroboter im Fokus der Presse standen, rückt die Digitalisierung von Pflegeprozessen als Ganzes in den Vordergrund. Neue Technologien und digitale Ansätze können nicht nur die Effizienz der Pflege steigern, sondern auch die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte verbessern, den Pflegealltag erleichtern und die Qualität der Versorgung für pflegebedürftige Menschen erhöhen

Viele Akteure fordern mehr Digitalisierung in der Pflege, aber die Kluft zwischen Wunschvorstellung und Realität ist noch riesig. Im Durchschnitt verfügen gerade einmal 63 % der stationären Pflegeeinrichtung über WLAN. In Berlin, Bayern, Thüringen und Schleswig-Holstein sind es gerade einmal knapp 30 % [1]. Hierbei geht es nicht nur um das WLAN für die Bewohner, sondern vor allem darum, bewohnernah und digital zu dokumentieren, wofür eine konstante WLAN-Verbindung vorausgesetzt wird. Diese Beobachtungen ziehen sich bereits in die Ausbildungsstätten. Lediglich ein Drittel befragter Pflegeschulen in Deutschland haben ein Konzept für Medienbildung [2].

Die Pflegetätigkeiten selbst ließen sich bereits durch eine Vielzahl an Angeboten wie Monitoring, Sensormatten oder Assistenzsysteme digitalisieren. Genutzt wird dies jedoch kaum von Einrichtungen. Nicht selten fehle es an der technischen Infrastruktur. Aber auch die fehlende Finanzierung ist ein Problem. Gerade nach der Coronapandemie und nach der Einführung des Tariftreuegesetzes in den Pflegeinrichtungen sieht die finanzielle Situation nicht besonders rosig aus. Dies belegt auch unsere Umfrage im Zeitraum von Juni bis Juli 2023 unter 50 teilnehmenden Betreibern [3].

Seit 2019 steht ein einmaliger Digitalisierungszuschuss von 12.000 Euro je Pflegeeinrichtung zur Bereitstellung der technischen Infrastruktur zur Verfügung [4]. Diese Förderung wurde bis 2030 verlängert. Allerdings handelt es sich hierbei um einen einmaligen Betrag. Jeder, der sich mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt hat, weiß, dass dieser Betrag rasch aufgebraucht ist.

Die unter Gesundheitsminister Karl Lauterbach veröffentlichte Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen ist eine mutige Ankündigung, wodurch das deutsche Gesundheitssystem jedoch in das aktuelle digitale Zeitalter geholt werden könnte. Es bleibt zu hoffen, dass die hochgesteckten Ziele für die kommenden Jahre erreicht werden können, denn dadurch würde das Gesundheitssystem deutlich an Attraktivität gewinnen.

Eine weitere große Frage bleibt offen: Wie sollen die langfristigen Kosten der Digitalisierung nachhaltig finanziert werden?

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Quellenverzeichnis

[1] Quelle: pm pflegemarkt.com (2023): Internet in Pflegeheimen: Welches Bundesland hat die beste Versorgung?, https://www.pflegemarkt.com/2023/06/01/internet-pflegeheime-bundeslaender/, zuletzt zugegriffen am 29.12.2023.

[2] Quelle: dpa Rheinland-Pfalz/Saarland (2023): Schweitzer will „Digitalkultur in der Pflege anstoßen“, https://www.zeit.de/news/2023-05/04/schweitzer-plant-digitale-bildungsoffensive-in-der-pflege?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F, zuletzt zugegriffen am 27.12.2023.

[3] Quelle: pm pflegemarkt.com (2023): Insolvenzen, Einbruch der Neubauten, starker Anstieg der Sozialhilfe in der Pflege – Stimmen aus der Branche, https://www.pflegemarkt.com/2023/07/27/branchenstimmen-dramatische-situation-pflege/, zuletzt zugegriffen am 27.12.2023.

[4] Quelle: GKV-Spitzenverband (2023): Finanzierungs- und Fördervorhaben, https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/finanzierung_und_foerderung/finanzierungs__und_foerdervorhaben.jsp, zuletzt zugegriffen am 27.12.2023.