Marktanalyse Betreutes Wohnen

Betreutes Wohnen hat sich zu einer der stärksten Säulen im Pflegemarkt entwickelt und wird sowohl von ambulanten als auch klassischen stationären Betreibern zunehmend etabliert. Mit rund 340 Bauprojekten ist die Entwicklung der Standortanzahl aktuell sogar stärker als im klassischen stationären Segment. Unsere Analyse zeigt den aktuellen Status am Markt und prognostiziert die weitere Entwicklung.

Übersicht über die Entwicklung des betreuten Wohnens

Betreutes Wohnen, als eine der Wohnformen im Alter für Senioren neben der klassischen Pflegeheimunterbringung oder ambulanter Betreuung zuhause, gewinnt vor allem zu Gunsten der Erhaltung der Selbstständigkeit der Bewohner in einem altersgerechten, privaten Umfeld zunehmend an Attraktivität. Dieses Konzept ermöglicht zudem, weitere Dienstleistungen und Betreuungsangebote in Anspruch zu nehmen, die die individuelle Sicherheit und damit Lebensqualität von Senioren maßgeblich erhöhen. Als ein Teilbereich aus der offenen Altenhilfe kann Betreutes Wohnen für Senioren innerhalb der eigenen Wohnung oder als eine Wohnform organisiert sein, die an eine ambulante oder stationäre Einrichtung organisatorisch oder baulich angeschlossen ist. Als Betreutes Wohnen wird eine Wohnform bezeichnet, die es Menschen mit besonderen Bedürfnissen ermöglicht, eigenständig zu leben und je nach individuellem Bedarf Betreuungs-, Pflege, und weitere Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

Die nicht immer eindeutig zu treffende Abgrenzung zum Service Wohnen besteht darin, dass die Bewohner nicht unbedingt pflege- und hilfsbedürftig sind und die Angebote frei buchen können. Es kommt teilweise zu Irritationen, da Anbieter ihre Angebote je nach Ausrichtung sowohl als Betreutes Wohnen als auch als Service Wohnen bezeichnen. Die Lage wird zudem durch die Tatsache verschärft, dass in der amtlichen Pflegestatistik keine Zahlen zum Angebot des betreuten Wohnens erfasst werden. Aufgrund nicht einheitlicher Definitionen fällt die Datenerhebung hier umso schwerer. Im Zuge der Ambulantisierung und der zunehmend verschmelzenden Abgrenzungsmöglichkeiten der einzelnen Segmente des Pflegemarktes nimmt die Bedeutung des betreuten Wohnens ungeachtet dessen weiter zu.

Mehr als 6.200 betreute Wohnanlagen

Laut Daten der Pflegedatenbank existieren in Deutschland mehr als 6.200 betreute Wohnanlagen, die rund 303.000 Wohnungen für Pflegebedürftige zur Verfügung stellen. Der Großteil der Angebote für betreutes Wohnen (knapp 60 Prozent) werden dabei von gemeinnützigen Einrichtungen betrieben. Ein erheblicher Anteil der Einrichtungen des Betreuten Wohnens entspricht einem ambulantisierten Modell. Dies bedeutet, dass die Einrichtung nicht einer stationären Pflegeeinrichtung angegliedert ist, sondern die künftigen Bewohner ambulant versorgt werden.

 Dabei ist die Versorgung an teilstationären Pflegeplätzen – wie bereits bei Pflegeheimen – nicht flächendeckend gleich. Um die bestmögliche Vergleichbarkeit herzustellen, wird in dieser Analyse die Zahl der Plätze für betreutes Wohnen fortan auf Plätze pro 10.000 Einwohner ab 65 Jahren potenziert.

Marktanalyse Betreutes Wohnen Plätze pro 10.000 Einwohner ab 65 Jahren

Bei Betrachtung der Versorgung in den einzelnen Bundesländern stechen so neben dem ohnehin überdurchschnittlich versorgten Mecklenburg-Vorpommern allem die Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen hervor. Eine Aufteilung, die sich laut aktuellen im Bau und in Planung befindlichen betreuten Wohnanlagen weiter fortsetzen wird . Die vergleichsweise starke Bautätigkeit in Baden-Württemberg (aktuell 182 Wohneinheiten pro 10.000 Einwohner ab 65; 16 Einheiten pro 10.000 Einwohner ab 65 im Bau) deutet auf einen hohen Bedarf in dem Bundesland hin, wo Ende des Jahres die neue Einzelzimmerquote in Kraft treten wird. Bei Betrachtung der Versorgung in den zehn größten Städten Deutschlands wird diese These weiter untermauert – Stuttgart, Baden-Württembergs Hauptstadt, nimmt mit 435 Plätzen für betreutes Wohnen pro 10.000 Einwohner ab 65 Jahren den ersten Platz im Ranking ein und liegt dabei weit über der durchschnittlichen Platzzahl von 239.

Marktanalyse betreutes Wohnen die 10 größten Städte

Insgesamt rund 300 der geplanten Standorte für Betreutes Wohnen erfüllen diese Kriterien, davon entstehen mit je 60 Einrichtungen die meisten ambulantisierten Neubauten in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Eine Ursache hierfür ist sicherlich in den aktuellen Vorgaben der jeweiligen Heimgesetze zu finden, die in beiden Ländern strenge Auflagen, unter anderen eine Einzelzimmerquote von 100 Prozent in stationären Einrichtungen in Baden-Württemberg, vorsieht. Diese sorgt auch dafür, dass insbesondere in Baden-Württemberg derzeit so stark gebaut wird wie in keinem anderen Bundesland, inklusive dem klassischen Segment der stationären Pflege.

Jede dritte Baustelle mit betreutem Wohnen

Bei Betrachtung aller Baustellen sticht betreutes Wohnen zudem gesondert hervor – insgesamt entsteht auf mehr als jeder dritten Baustelle in der Bundesrepublik ein ambulantisiertes betreutes Wohnen, mehr als die Hälfte davon im Verbund mit einer Tagespflege. Rund 15 Prozent aller Baustellen sind zudem eine Kombination aus Pflegeheim und betreutem Wohnen, so dass auf mehr als jeder zweiten Baustelle für Pflegeimmobilien eine betreute Wohnanlage entsteht und somit den steigenden Bedarf zu decken versucht.

Fazit

Die exakte Bedarfsermittlung für betreute Wohnanlagen schwankt derzeit jedoch noch stark – während optimistische Rechnungen von einem Bedarf in Höhe von 5 Prozent der Bevölkerung ab 65 Jahre ausgehen, ist im Zusammenhang der segmentübergreifenden offiziellen Pflegebedarfsstatistik ein realistischer Bedarf in Höhe von 2,5 Prozent der Bevölkerung ab 65 Jahre anzunehmen. Fakt ist, dass selbst bei dieser Quote die aktuelle Deckung des Bedarfs bei unter 70 Prozent liegt und somit weiterhin Wachstumspotenzial bildet. Ein Wachstumsmarkt, den auch die stationären Betreiber wie Korian für sich entdeckt haben und mit passenden Angeboten zu Versorgen suchen.


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