Die Kosten für einen Pflegeheimplatz sind seit 2021 stark gestiegen. Eine Analyse zeigt jedoch ein überraschendes Bild: Private Einrichtungen sind für Bewohnerinnen und Bewohner im Durchschnitt günstiger als kommunale und freigemeinnützige Häuser. Und das, obwohl private Betreiber höhere Investitionskosten ausweisen und einen großen Teil neuer Pflegeplätze schaffen.
Inhaltsverzeichnis
- Zusammensetzung der Pflegekosten
- Private Pflegeheime insgesamt am günstigsten
- Eigenanteil der Pflegekosten seit 2021 um 42 Prozent gestiegen
- Einführung der Tariflöhne lässt Pflegekosten steigen
- Neuere Häuser, höhere Investitionskosten und trotzdem geringere Gesamtkosten bei privaten Betreibern
- Private Pflegeheime verfügen über die jüngsten Gebäude
- Private Betreiber schaffen mehr als die Hälfte der neuen Pflegeheimplätze
- Was lässt sich aus dem Trägervergleich ableiten?
- Ausblick
- Hinweise zur Methodik der Analyse
Wer heute in ein Pflegeheim zieht, zahlt im Durchschnitt 3.200 Euro monatlich aus eigener Tasche – 40 Prozent mehr als noch 2021. Die Gründe dafür liegen nicht nur im demografischen Wandel, sondern auch in einer Gesetzesreform, die gut gemeint war und trotzdem teurer wurde. Im Jahr 2021 lag der Eigenanteil noch bei etwa 2.200 Euro – seitdem ist er um mehr als 40 Prozent gestiegen.
Neben den steigenden Kosten, verschärft sich auch der Personalmangel in der Pflege und die Zahl der Pflegebedürftigen wächst. Umso wichtiger ist ein genauer Blick darauf, was Pflege heute kostet und wer dafür aufkommt. Die Analyse legt dar, wie sich die Kosten für Pflegeheime zusammensetzen, wer sie trägt und warum sie so stark gestiegen sind. Und sie kommt zu einem Ergebnis, das einer verbreiteten Annahme widerspricht: Private Pflegeheime sind im Durchschnitt nicht teurer, sondern günstiger.
Zusammensetzung der Pflegekosten
Die monatliche Belastung der Bewohnerinnen und Bewohner für einen Pflegeheimplatz setzt sich im Wesentlichen aus drei Kostenblöcken zusammen. Den größten Bereich stellen die Pflegekosten dar, die die Betreuung und Pflege durch das Personal beinhalten. Die Pflegekasse übernimmt hier einen festen Betrag, abhängig vom Pflegegrad. Durch die Pflegereform wurden zum 01.01.2024 die Leistungszuschläge durch die Pflegekasse um 4,5 Prozent erhöht. Zuvor blieben die Beiträge der Pflegekasse von 2017 bis 2024 konstant. Voraussetzung für den Erhalt der Zuschläge sind der Aufenthalt in einer vollstationären Pflegeeinrichtung sowie eine Einstufung des Pflegegrades von Pflegegrad 2 bis Pflegegrad 5. Die Höhe des Zuschusses ist außerdem abhängig von der Aufenthaltsdauer der zu pflegenden Personen in einer vollstationären Pflegeeinrichtung.
Den Rest der Pflegekosten tragen die Bewohnenden selbst, den sogenannten „einrichtungseinheitliche Eigenanteil“ (eeE). Dieser ist für alle Bewohner eines Pflegeheims gleich, unabhängig vom Pflegegrad. Der zweite Teil der Pflegekosten deckt die Unterkunft und Verpflegung (UuV) der Bewohnenden. Diese Kosten tragen die Bewohnenden vollständig aus der eigenen Tasche. Die Investitionskosten (Invest) als dritter Bereich finanzieren Ausgaben der Einrichtungen für das Gebäude, Ausstattung und die Instandhaltung. Auch diese Kosten tragen Bewohnende selbst.
Private Pflegeheime insgesamt am günstigsten
Im Juni 2026 liegen die Kosten für Bewohnende von Pflegeheimen bei durchschnittlich etwa 3.200 Euro pro Monat. Zwischen den unterschiedlichen Trägerarten zeigen sich jedoch Unterschiede. Gemeinnützige Träger weisen mit 3.300 Euro die höchsten durchschnittlichen monatlichen Kosten auf, die von den Bewohnenden selbst getragen werden müssen. Kommunale Träger liegen mit 3.290 Euro auf einem ähnlichen Niveau. Private Träger zeigen im direkten Vergleich mit 3.007 Euro pro Monat die niedrigsten Durchschnittskosten. Damit lagen die Kosten privater Einrichtungen knapp 300 Euro beziehungsweise rund zehn Prozent unter denen kommunaler und freigemeinnütziger Träger.
Das Ergebnis ist deshalb bemerkenswert, weil private Pflegeanbieter häufig mit der Erwartung konfrontiert werden, dass eine gewinnorientierte Trägerschaft zwangsläufig zu höheren Preisen führe. Der Vergleich der tatsächlich ausgewiesenen Kosten zeigt das jedoch, dass die Trägerform allein keinen verlässlichen Rückschluss auf hohe oder niedrige Bewohnerkosten zulässt.
Christopher Nolde, CEO der compassio Gruppe, sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der bisherigen Debatte:
„Die Analyse ist ein wichtiges Korrektiv in einer Debatte, die häufig stark von grundsätzlichen Annahmen über Trägerformen geprägt ist. Sie zeigt: Private Pflegeanbieter sind im Durchschnitt günstiger – und das über alle wesentlichen Kostenblöcke hinweg – und leisten zugleich einen erheblichen Beitrag zu neuen, dringend benötigten Pflegeplätzen. Das ist kein Argument gegen andere Träger, sondern ein Plädoyer dafür, genauer auf Qualität, Effizienz und Investitionsfähigkeit zu schauen. Wer Pflege bezahlbar und zukunftsfähig halten will, sollte erfolgreiche Strukturen stärken, unabhängig von der Trägerschaft.“
Eigenanteil der Pflegekosten seit 2021 um 42 Prozent gestiegen
Ein Blick auf die Entwicklung der Gesamtkosten für Bewohnende pro Monat zeigt, dass die Kosten von 2021 bis 2025 über alle Trägerarten hinweg deutlich gestiegen sind. Nach Trägerart betrachtet lag der Anstieg bei gemeinnützigen Pflegeheimen bei 35 Prozent, bei kommunalen Trägern bei 42 Prozent und bei privaten Betreibern bei 50 Prozent. Auffallend ist der starke Anstieg der Kosten vom Jahr 2022 auf das Jahr 2023 über die verschiedenen Trägerarten hinweg. Dies kann auf die Einführung der Tariflöhne im September 2022 zurückgeführt werden.
Einführung der Tariflöhne lässt Pflegekosten steigen
Auf Basis des Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetzes trat zum 1. September 2022 das neue Tariftreuegesetz für die Pflege in Kraft. Das bedeutet, dass seit dem 1. September 2022 nur noch Pflegeeinrichtungen zur Versorgung zugelassen werden, und mit der Pflegeversicherung abrechnen können, die ihren Pflege- und Betreuungskräften mindestens in Tarifhöhe bezahlen. Dies führte zu einem Anstieg der Lohnkosten, die Höhe unterschied sich je nach Einrichtung. Da Pflegekassen die gestiegenen Kosten akzeptieren mussten, wurden diese über höhere Pflegesätze abgerechnet. Vor allem im Bereich des eeE zeigte sich die Kostenänderung deutlich.
Die Auswirkungen auf kommunale und gemeinnützige Betreiber fielen im Vergleich zu den privaten Betreibern geringer aus, da viele dieser Einrichtungen ihr Pflege- und Betreuungspersonal bereits vor dem Tariftreuegesetz nach Tarif bezahlten.
Zum Zeitpunkt der Kostenänderung waren mit 55 Prozent mehr als die Hälfte der Pflegeheime mit Kostenänderungen in privater Trägerschaft. Private Betreiber hatten häufig keine Tarifbindung und mussten ihre Gehälter also deutlich stärker anheben. Daher stiegen die Kosten bei privaten Anbietern im September 2022 deutlich an. Das Tariftreuegesetz von 2022 war sozialpolitisch richtig. Pflegekräfte verdienten zu wenig, das war Konsens. Doch die Rechnung zahlten am Ende die Bewohner – über höhere Eigenanteile. Besonders hart traf es die privaten Einrichtungen, die ihre Löhne am stärksten anheben mussten. Bemerkenswert: Trotzdem sind sie heute im Durchschnitt noch immer die günstigsten.
Volker Feldkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung von EMVIA Living, ordnet ordnet ein: „Die wirtschaftliche Situation vieler Pflegeheime bleibt äußerst angespannt. Die Umsetzung der Tariftreue war und ist richtig, um Pflegekräfte angemessen zu vergüten und die Attraktivität des Berufs zu stärken. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass tarifbedingte Mehrkosten auch künftig vollständig refinanziert werden. Die aktuellen Überlegungen der Bundesregierung im Rahmen des Pflegeorganisationsgesetzes dürfen Pflegeeinrichtungen bei Personalgewinnung und -bindung nicht zusätzlich belasten. Besonders kritisch sind zudem die hohen Außenstände aus nicht bearbeiteten Anträgen auf Hilfe zur Pflege bei den Sozialämtern. Pflegeheime leisten täglich verlässlich, während Erstattungen teils über Monate ausstehen. Das belastet die Liquidität erheblich. Private Pflegeheime leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgung. Die Analyse zeigt, dass sie trotz gleicher Qualitäts- und Personalanforderungen häufig preiswertere Angebote machen können. Für Pflegebedürftige zählt am Ende, dass Qualität, Verlässlichkeit und Bezahlbarkeit zusammenkommen. Dafür braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen, vollständige Refinanzierung tariflicher Personalkosten und schnellere Leistungsentscheidungen.“
Neuere Häuser, höhere Investitionskosten und trotzdem geringere Gesamtkosten bei privaten Betreibern
Eine Unterteilung in eeE-Kosten, UuV-Kosten und Invest-Kosten bringt weitere Erkenntnisse in Bezug auf die Trägerart. Der einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (EEE) ist bei den kommunalen Betreibern am höchsten und bei privaten Betreibern im Durchschnitt am niedrigsten.
Betrachtet man jedoch die Entwicklung der eeE-Kosten von 2021-2025, so werden die zuvor beschriebenen Auswirkungen der Einführung der Tariflöhne deutlich. Sowohl bei den gemeinnützigen als auch bei den kommunalen Betreibern sind die eeE-Kosten von 2021 bis 2025 um 50 Prozent gestiegen. Dass private Betreiber stärker betroffen waren von den Auswirkungen, sieht man an der Steigerung der Kosten von 95 Prozent von 2021 bis 2025.
Bei den UuV-Kosten hingegen zeigen die gemeinnützigen Träger die höchsten Werte und die privaten Betreiber erneut die niedrigsten. Bei den Invest-Kosten hingegen liegen die privaten Träger dagegen vorn. Doch wieso sind die Invest-Kosten bei den privaten Betreibern so hoch, wenngleich sie doch in allen anderen Bereichen die niedrigsten Kosten zeigen?
Private Pflegeheime verfügen über die jüngsten Gebäude
Um das einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die Bau- beziehungsweise Modernisierungsjahre der Pflegeheime. Das durchschnittliche Baujahr der derzeit aktiven Pflegeheime in Deutschland ist das Jahr 1989. In Bezug auf die Modernisierungen von Pflegeheimen liegt der Durchschnitt im Jahr 2003. Eine detaillierte Analyse zeigt, dass kommunale Pflegeheime durchschnittlich im Jahr 1972 und gemeinnützige Pflegeheime durchschnittlich im Jahr 1986 gebaut wurden. Die privaten Pflegeheime hingegen haben das Jahr 1995 als durchschnittliches Baujahr und sind damit im Vergleich deutlich neuer/jünger als die Pflegeheime gemeinnütziger und kommunaler Träger. Auch bei der Analyse der Modernisierungsjahre zeigt sich ein ähnliches Bild: Das durchschnittliche Modernisierungsjahr gemeinnütziger Pflegeheime liegt im Jahr 2003. Bei den privaten Trägern im Jahr 2004.
Private Betreiber schaffen mehr als die Hälfte der neuen Pflegeheimplätze
Der Investitionsunterschied wird auch beim Blick auf neue Einrichtungen deutlich. In Deutschland werden derzeit 11.662 Pflegeheime gezählt, die ungefähr 914.000 vollstationäre Pflegeheimplätze zur Verfügung stellen. Davon befinden sich etwa 40 Prozent in privater Trägerschaft. Doch wie sieht der Anteil privater Betreiber bei den Bauprojekten aus?
Mit Blick auf die Pflegeheime, die sich im Bau und in Planung befinden, wird deutlich, dass die Hälfte aller Pflegeheime im Bau sowie in Planung in privater Trägerschaft ist. Eine Übersicht aller Pflegeheimplätze, die von 2021 bis 2025 durch Neueröffnungen entstanden sind, zeigt ebenfalls die wichtige Rolle privater Betreiber: Über die Hälfte der neu entstandenen Pflegeheimplätze sind den privaten Betreibern zuzuordnen. Während im Jahr 2022 der private Anteil an den neuen Pflegeheimplätzen bei mehr als zwei Drittel lag, ist er seitdem rückläufig, was auf eine geringere Platzzahl pro Einrichtung zurückzuführen ist. Betrachtet man jedoch die Entwicklung der Platzzahlen über den Gesamtzeitraum von 2021 bis 2025, so bieten private Betreiber mit einer durchschnittlichen Platzzahl von 83 Pflegeheimplätzen pro neueröffneter Einrichtung die größten Kapazitäten – deutlich mehr als gemeinnützige Betreiber, die über den Gesamtzeitraum auf eine durchschnittliche Platzzahl von 67 Pflegeheimplätzen pro neueröffneter Einrichtung kommen.
In dem Zeitraum von 2021 bis 2025 sind insgesamt 56.469 Pflegeheimplätze neu entstanden, davon 34.784 Plätze durch private Betreiber, was einem Anteil von ca. 62 Prozent entspricht. Im gleichen Zeitraum wurden Pflegeheime mit 28.135 Plätzen geschlossen, was zu einem Netto-Wachstum von 28.568 Plätzen über fünf Jahre geführt hat. Die privaten Betreiber haben mit einem Anteil von 70 Prozent zu diesem Wachstum beigetragen.
Was lässt sich aus dem Trägervergleich ableiten?
Die Qualität der Pflege lässt sich nicht allein anhand der Preise beurteilen. Der Kostenvergleich stellt jedoch die pauschale Annahme infrage, private Pflegeanbieter seien wegen ihrer Gewinnorientierung grundsätzlich teurer.
Im Durchschnitt zeigt sich vielmehr: Private Einrichtungen weisen die niedrigsten pflegebedingten Eigenanteile und die geringsten Kosten für Unterkunft und Verpflegung auf. Ihre Investitionskosten sind höher, gleichzeitig verfügen sie über jüngere Gebäude und stellen einen großen Teil der neu entstehenden Pflegeplätze. Die Ergebnisse sollten dabei nicht als Abwertung einzelner Trägerformen gelesen werden. Sie zeigen vor allem, dass die Trägerschaft allein kein verlässlicher Maßstab dafür, ob ein Pflegeheim teuer oder günstig ist.
Ausblick
Unabhängig von den Unterschieden zwischen den Trägerarten werden die Kosten der stationären Pflege voraussichtlich weiter steigen. Personalkosten bleiben der größte Ausgabenblock. Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel, während durch die Alterung der Bevölkerung der Bedarf an professioneller Pflege zunimmt.
Für immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner wird es schwierig, die Eigenanteile dauerhaft aus eigenem Einkommen und Vermögen zu finanzieren. Reichen die eigenen Mittel nicht aus, übernimmt die Sozialhilfe die ungedeckten Kosten.
Damit verschiebt sich die finanzielle Belastung von den Pflegebedürftigen zunehmend auf die Kommunen und letztlich auf die Steuerzahler. Reformen, die ausschließlich die Pflegeversicherung entlasten, lösen dieses Problem daher nicht zwangsläufig. Sie können die Kosten lediglich innerhalb des Sozialstaats verlagern.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, wie stark die Eigenanteile begrenzt werden können. Es geht ebenso darum, wie Pflege effizient organisiert, ausreichend finanziert und die notwendige Infrastruktur geschaffen werden kann.
Der Vergleich der Trägerarten liefert dazu eine wichtige Erkenntnis: Wirtschaftlichkeit, Investitionen und bezahlbare Pflege schließen sich nicht grundsätzlich aus. Zugleich gilt: Unter den steigenden Kosten leiden Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige und Träger aller Formen. Die Daten sollten deshalb nicht als Lagerkampf verstanden werden, sondern als Beitrag zu einer sachlicheren Debatte über bezahlbare und zukunftsfähige Pflege.
Hinweise zur Methodik der Analyse:
Die Analyse von basiert auf Daten zum Stichtag 1. Juni 2026 und umfasst einen Beobachtungszeitraum von fünf Jahren (2021–2026). Untersucht wurden zwei thematische Schwerpunkte: die Kostenentwicklung in der stationären Pflege sowie Veränderungen in der Angebotsstruktur. Für die Kostenseite wurden die Heimentgelte (Eigenanteil, Investitionskosten, Unterkunft und Verpflegung) auf Basis der offiziell gemeldeten Pflegesätze ausgewertet. Die Angebotsstruktur wurde anhand von Neugründungen, Schließungen und laufenden Bauprojekten analysiert. Ergänzend wurden außerdem die Baujahre und das zuletzt dokumentierte Modernisierungsjahr der Einrichtungen herangezogen. Alle Auswertungen erfolgten auf Gesamtebene sowie differenziert nach Trägerart (freigemeinnützig, kommunal, privat), um Unterschiede aufzeigen zu können.








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