Convivo Gruppe insolvent: Weiterer Top Betreiber in Schieflage

Update vom 30.01.2023: Fortan finden Sie in dieser Meldung die spannendsten Entwicklungen rund um die Insolvenz der Convivo-Gruppe. Nutzen Sie zur Navigation das Inhaltsverzeichnis im Folgenden:


Update vom 25.01.2023: Mittlerweile hat auch die Convivo selbst Stellung bezogen und bestätigt, dass die Conivo Unternehmensgruppe am 23.01.2023 für die wesentlichen Gesellschaften Insolvenzanträge beim Amtsgericht Bremen gestellt hat. Das Gericht ordnete daraufhin vorläufige Insolvenzverwaltungen durch die Bestellung der Rechtsanwälte Dr. Malte Köster (Kanzlei WILLMERKÖSTER für Convivo Holding GmbH, Convivo Life GmbH) und Dr. Christoph Morgen (Kanzlei Brinkmann & Partner für Convivo Parks GmbH) an.

Nachdem erst vor wenigen Wochen die Insolvenz von Curata Care bekannt wurde, folgt nun die nächste Insolvenzmeldung: Wie unterschiedliche Medien berichten, hat die Convivo Gruppe, die bundesweit mehr als 60 Pflegeheime betreibt und zu den Top 30 Pflegeheimbetreibern zählt, Insolvenz angemeldet.

Convivo Holding eröffnet Insolvenzverfahren

Wie das Unternehmen dem WESER-KURIER auf Anfrage mitteilte, ist zunächst nur die Convivo Holding GmbH als Dachgesellschaft der Convivo-Gruppe von der Insolvenz betroffen. Zunächst hatten lokale Medien über die Insolvenz des Bremer Pflegeheimbetreibers berichtet. Inzwischen hat auch die Bremer Sozialbehörde die wirtschaftliche Schieflage des Unternehmens bestätigt.

Convivo Gruppe insolvent: Weiterer Top Betreiber in Schieflage

Die Convivo-Gruppe gehört mit 62 Pflegeheimen und mehr als 4.400 vollstationären Plätzen nicht nur zu den größten Pflegeheimbetreibern in Deutschland, sondern ist auch der Betreiber mit den meisten Pflegeangeboten im Bau. An 18 Standorten entstehen derzeit 7 Betreute Wohnanlagen, 3 Pflegeheime, 9 Tagespflegeeinrichtungen und 15 Wohngruppen. Die Zukunft der in Betrieb befindlichen und der im Bau befindlichen Einrichtungen ist derzeit noch offen. Das Unternehmen hat bislang hat vor kurzem eine Stellungnahme veröffentlicht (siehe Update in diesem Artikel)

Erst im November 2022 hatte die Convivo Gruppe bereits drei Wohnparks in Hamburg und Schleswig-Holstein an die newcare Gruppe veräußert, nachdem das Unternehmen erst im Mai desselben Jahres gemeinsam mit der Meyer Unternehmensgruppe die MyCo Living GmbH gegründet hatte, um ganzheitliche und nachhaltige Wohn- und Lebenslösungen mit modularen und ESG-konformen Mehrgenerationenimmobilien zu entwickeln.

Alleingeschäftsführer Torsten Gehle

Die Convivo Unternehmensgruppe um Gründer Torsten Gehle hat im Dezember 2020 den Wandel vom inhabergeführten Unternehmen zur managementgeführten Konzern im Gesundheitsmarkt vollzogen. Mit der Verstärkung durch den Mediziner Dr. Marc Baenkler (CEO) und den Juristen Dr. Jan Witter (CLO & CHRO) wurde die bestehende Geschäftsführung um Timm Klöpper (COO) erweitert. Im September 2022 schieden Baenkler, Witter und Klöpper dann aus dem Unternehmen aus. Alleiniger Geschäftsführer der Convivo Holding GmbH ist nun wieder der Gründer Torsten Gehle, der bereits seit 1993 als Geschäftsführer im Pflegemarkt tätig ist.


Gründe für die Insolvenz

In ihrer Stellungsnahme nannte die Convivo auch die Gründe für die wirtschaftliche Schieflage: Die Pflegebranche, einschließlich Convivo, steht vor großen Herausforderungen aufgrund der bestehenden Probleme in der Pflegestruktur. Der Mangel an Fachkräften und erhöhte Krankenstände aufgrund der Belastungen durch die Corona-Pandemie haben zu niedrigen Belegungsraten geführt. Die Belegung sank von den branchenüblichen 95% auf nur 70% im Bereich der stationären Pflege. Der Einsatz von Personal aus Zeitarbeitsdienstleistern habe zusätzlich zu überproportionalen Kosten geführt. Die steigenden Kosten der Pflegereform haben dazu geführt, dass ein höherer Anteil der Pflegebedürftigen auf staatliche Unterstützung angewiesen sei, was für die Betreiber:innen nicht vollständig refinanziert werden kann. Weitere Faktoren wie steigende Energie- und Sachkosten, allgemeine Preissteigerungen und steigende Pachten haben die seit 30 Jahren tätige Convivo Unternehmensgruppe in eine finanzielle Schieflage gebracht.


Convivo gibt Seniorenhof Visbek an cosiq ab

Wie die Aachener Grundvermögen mitteilt, hat das Unternehmen mit dem „Seniorenhof Visbek“ die erste Immobilie für den neuen Publikumsfonds Aachener WohnImmo-Fonds, ein Artikel 8 Plus-Produkt im Sinne der EU-Offenlegungsverordnung, erworben. Verkäuferin ist Stephanie Zurhake-Gümüs, vermittelt wurde der Verkauf durch das Maklerunternehmen Lührmann GmbH & Co.KG.

Im 2022 fertiggestellten Seniorenhof Visbek sind 78 barrierefreie Servicewohnungen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter entstanden. Die Wohnungen verteilen sich auf sechs Wohnhäuser in sechs Hausgemeinschaften mit je 12 Wohneinheiten sowie eine weitere Hausgemeinschaft mit sechs Wohnungen im Versorgungshaus, in dem auch Küche, Wäscherei und Werkstatt untergebracht sind. In einem weiteren Gebäude befindet sich eine Tagespflege mit 25 Plätzen.

Die Pflegedienst Zurhake GmbH unter der Leitung von Frau Zurhake-Gümüs, die bisher für den Betrieb des Betreuten Wohnens und der Tagespflege zuständig war, gehörte zur insolventen Convivo. Neuer Betreiber wird die cosiq GmbH.

Bernd Rothe, Geschäftsführer des Betreibers cosiq GmbH: „Wir freuen uns, für den Seniorenhof Visbek mit der Aachner Grundvermögen einen langfristigen und verlässlichen Partner an der Seite zu haben. Stephanie Zurhake-Gümüs hat das Projekt vor dem Hintergrund der Demenzerkrankung der eigenen Mutter ins Leben gerufen und nun aus persönlichen Gründen verkauft. Diesen familiären Gedanken möchten wir fortführen.“


Convivo tritt alle Anteile der MyCo Living GmbH an Unternehmensgruppe Meyer ab

Im gegenseitigen Einverständnis haben die Unternehmensgruppe Meyer und die Convivo Holding ihr gemeinsames Engagement bei der MyCo Living GmbH offiziell beendet. MyCo Living ist seit dem 1. Januar 2023 eine 100%ige Tochter der Unternehmensgruppe Meyer. Die GmbH mit Sitz in Hamburg-Harburg ist damit von den Insolvenzanträgen, die Convivo im Januar stellte, in keiner Weise betroffen. Da ein Jahr nach Firmengründung noch kein MYCO-Wohnpark den Betrieb aufgenommen hat, hat das Ausscheiden von Convivo auch keine Auswirkungen auf Bewohner oder Personal. MYCO prüft aktuell, ob für zukünftige Betreiber Umplanungen und Anpassungen notwendig werden sollten.

„Wir haben in der zweiten Jahreshälfte 2022 festgestellt, dass es für die Entwicklung der MyCo Living erfolgversprechender wäre, sich flexibler aufzustellen. In Zukunft wird MYCO über Joint-Ventures verschiedene Wohnpark-Konzepte mit unterschiedlichen Betreibern realisieren“, erläutert MYCO-Geschäftsführer Andreas Lüllau die Hintergründe.


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